Grundsatzdebatten im Webdesign

Immer wieder kommen Diskussionen zu gewissen Themen im Webauthoring hoch. Dabei tun sich vor allem zwei hervor: Die Diskussion um die »richtige« Schriftgröße und um das Öffnen von neuen Fenstern (target=“_blank“ und Popups). Fast in jedem fachlichen Forum und auch in der Blogosphäre werden endlose Wortgefechte geführt, ohne dass eine Einigung erfolgt. Was ist das eigentümliche an Grundsatzdebatten, warum sind sie nie ausdiskutiert und warum nerven sie irgendwann?

Es gibt wenige Fachartikel, die diese Themenfelder in einer Weise beackern, sodass alles gesagt ist. Es ist nahezu unmöglich, sich ein Überblick über die Lage zu verschaffen. Letztlich bringen alle Fraktionen gute, handfeste Argumente. Und auch unzählige Behauptungen, Vermutungen, Hypothesen und Scheinargumente werden geäußert – schließlich glaubt jeder Diskutant, für sich eine akzeptable Lösung gefunden zu haben.

Als Beobachter wird man mit jeder Wortmeldung, die man zum Thema liest, nur unsicherer. Oft liegt ein unauflösbarer Widerspruch von Prinzipien vor. Oft stehen sich grundlegend Benutzerinteressen und Autoreninteressen gegenüber, oder die Realität des World Wide Webs steht der technisch erstrebenswerten Lösung entgegen.

Was ist die »richtige« Schriftgröße?

In den letzten Wochen entbrannte die unendliche Geschichte um die »richtige« Schriftgröße in den Weblogs der üblichen Verdächtigen – Grund genug, sich kritisch anzusehen, welchen Aspekten Raum gegeben wird und welche ausgeblendet werden:

Welche Möglichkeiten gibt es, die Schriftgröße anzugeben?

Auch wenn sich die Diskussionen wiederholen, wird dabei selten an die Erkenntnisse der vorigen angeknüpft. Was die Frage nach der richtigen Schriftgröße für das Medium Bildschirm angeht, so sind die wichtigsten Fraktionen kurz zusammengefasst folgende (es geht hier nicht darum, alle Vor- und Nachteile angemessen darzustellen):

  1. Benutzung von absoluten, festen px-Werten, z.B. font-size:14px. (Welchen px-Wert man nimmt, ist wieder eine Diskussion für sich.) Damit lässt sich ein vorhersehbares Design erstellen mit zuverlässiger Komposition von Layout, Text und Bitmapgrafiken. px-Werte passen sich allerdings nicht an die Erfordernisse der Leseumgebung an. Der Internet Explorer 6 kann px-Werte nicht über das Menü Ansicht → Schriftgrad skalieren, andere verbreitete Browser über ähnliche Dialoge hingegen schon.
  2. Benutzung von em– oder %-Werten, die relativ zum Elternelement bzw. relativ zur Standardschriftgröße wirken. Aufgrund einer ziemlich großen Standardschriftgröße in den meisten Browsern (gängigerweise 16px) wird als Ausgangsgröße ein Wert unter 100% vorgegeben. Verbreitet ist font-size:80%. Man spekuliert damit auf ein ähnliches Ergebnis wie font-size:13px für normalen Fließtext. Damit können IE-Benutzer den Text zumindest einfach vergrößern und das Verhältnis zu anderen Pixelgrößen ist eingermaßen vorhersehbar.
  3. Benutzung von em– oder %-Werten. Man gibt keine Ausgangsgröße unter 1em bzw. 100% vor. Einfacher Fließtext ist dann genauso groß wie die im Browser eingestellte Standardschriftgröße, also in der Regel 16px. Das ist für die meisten Designer zu groß. Man lässt dem Benutzer die Freiheit bzw. verlangt von ihm, die Standardschriftgröße im Browser festzulegen und falls nötig die zu große Schrift zu verkleinern.

Welche Methoden sind verbreitet?

Die px-Methode ist wohl die verbreitetste, dahinter liegt font-size:80% samt Verwandten. Fast alle Websites, die sich um Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit scheren, arbeiten mit einer em– oder %-Vorgabe unter 1em bzw. 100%. Unter sich als fortschrittlich wähnenden Webautoren ist diese Technik der neue, selbstverständliche Standard. Keine Schriftgrößenvorgabe findet man nahezu nirgendwo.

Worin bestehen die grundlegenden Unterschiede?

Die ersten beiden Methoden unterscheiden sich konzeptionell nicht sehr. Denn in beiden Fällen nimmt man einen Musterbenutzer als Maßstab für alle Fälle. Man nutzt einerseits px, weil Standardschriftgrößen willkürlich sein können. Man nutzt andererseits Werte unter 100%, weil man von 16px Standardschriftgröße ausgeht und darüber auf die letztlichen px-Werte schließt (z.B. 75% × 16px = 12px).

Die Arbeitsweise bei beiden Methoden ähnelt sich demnach: Man strebt eine gewisse Pixelgröße an und geht damit insgeheim von einer bestimmten Bildschirmauflösung und -größe aus. Der einzige Unterschied und damit das Argument für die zweite Methode ist die Skalierbarkeit im Internet Explorer 6. Auf die Standardschriftgröße, die sich jeder Benutzer individuell einstellen könnte, will man im Grunde nicht bauen, sie tritt eher als unerwünschter Faktor auf. Denn derjenige, der seinen Browser tatsächlich auf eine bestimmte Optimalgröße konfiguriert, verliert bei diesem Konzept.

Erst die dritte Methode fällt aus dem Rahmen, indem sie sich positiv und annehmend auf die Standardschriftgröße bezieht. Damit erkennt sie auch an, dass die Standardschriftgröße differieren kann. Diese Methode kann nur mit der Vielfalt funktionieren, nicht ohne bzw. gegen sie. 16px als ungefährer Wert für 1em kann höchstens als Richtschnur dienen. Der Vorteil des relativ sicheren Ergebnisses fällt damit weg, weshalb sich die wenigsten Designer mit dieser Methode anfreunden können.

Mit welcher Schriftgrößenangabe ist ein anpassungsfähiges Layout möglich?

Das Dilemma ist nun, dass keine Position eine Antwort auf die wirklich brennenden Fragen löst. Wie reagiert ein Layout samt Schrift auf die unterschiedlichen Lesebedingungen?

Unbezwingbare Vielfalt der Lesebedingungen

Es gibt es nämlich mannigfache Konfigurationen: Es gibt große und kleine Bildschirme, Röhren- und Flachbildschirme jeweils mit unterschiedlichem Kontrast, unterschiedlicher Helligkeit, Schärfe, Bildfrequenz, Spiegelung. Ferner ist relevant, wie der Betrachter zum Bildschirm positioniert ist, welche Lichtverhältnisse herrschen. Ich persönlich z.B. arbeite regelmäßig an vier unterschiedlichen Bildschirmen. Die Bedingungen, unter denen ich an diesen arbeite, können sich jeweils ändern: Laptop unterwegs auf dem Schoß, vielleicht sogar draußen, versus zuhause mit Gegenlicht oder eher im Dunklen. Desktop tagsüber versus abends, zurückgelehntes Lesen versus bildschirmnahes Arbeiten.

Ferner ist die Auflösung der grafischen Oberfläche relevant, daneben die Software, die die Fonts rendert und gegebenenfalls die Kanten glättet. Der faktisch verwendete Font spielt eine wichtige Rolle, beispielsweise liegen zwischen Arial und Verdana bei gleicher Größe Welten. Die Lesbarkeit eines bestimmten Texts einer Website wird letztlich auch bestimmt durch die Zeilenhöhe und den Kontrast zwischen Text- und Hintergrundfarbe.

Unbezwingbare Vielfalt der Benutzerbedürfnisse

Das allein beschreibt die Vielfalt bei den technischen Umgebungsbedingungen. Hinzu kommen die Bedürfnisse des Benutzers. Wie einfach fällt es ihm, mit dem jeweiligen Bildschirmsystem umzugehen? Klebt er förmlich mit der Lesebrille am Bildschirm oder kann er problemlos zurückgelehnt lesen? Wie kommt er mit den Kontrasten zurecht? Ist die Sehfähigkeit speziell eingeschränkt? Allein dies ist eine Wissenschaft für sich.

Es gibt zwar Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Lesebedingungen, aber diese Merkmale kommen in der Realität nahezu willkürlich vermischt vor. Allein hinsichtlich der Bildschirmgröße und -qualität, der Auflösung, des Fonts und der individuellen Benutzerbedürfnisse möchte ich behaupten, dass wir es mit unzähligen Szenarien zu tun haben. Jeder Benutzer liest einen Text unter eigentümlichen Bedingungen.

Kann eine Schrift angesichts dessen überhaupt anpassbar sein?

Egal wie man also die Schriftgröße festlegt, sie kann nicht angemessen auf diese Faktoren reagieren. Genauer gesagt reagiert sie überhaupt nicht: Zumeist setzt die Website eine bestimmte Bildschirmgröße, -qualität und -auflösung voraus. Die gewählten Pixelgrößen und Werte unter 1em/100% mögen unter diesen Bedingungen angemessen sein. Ändern sie sich, so ist die Schrift zu klein oder auch zu groß.

Das merke ich immer wieder: Für die besagten vier Bildschirme mit unterschiedlicher Größe, Qualität und Auflösung gibt es keine Schriftgröße, die ich auf allen komfortabel lesen kann. Selbst auf meinem Hauptrechner skaliere ich je nach Tagesform, Lichtverhältnissen und der restlichen Typographie einer Website anders. Bei mir hängt es sogar davon ab, ob ich Kontaktlinsen oder Brille trage, nach einigen Stunden vor dem Bildschirm ermüden meine Augen zudem.

1em– bzw. 100% als Lösung?

Aus diesem Teufelskreis gibt es praktisch kein Entrinnen. Keine Website kann eine Schriftgröße angeben, die unter annähernd allen oder nur den meisten Umständen einen lesbaren Text gewährleistet. Die dritte Methode, gänzlich nur mit 1em/100% zu arbeiten, vermag den Teufelskreis theoretisch zu durchbrechen. Denn so radikal sie ist, so utopisch ist sie: Ich könnte in den Browsern der vier unterschiedlichen Systeme unterschiedliche Größen voreinstellen und hätte auf jeder Website ähnlich gut lesbaren Text, den ich noch etwas nachskalieren könnte.

Das übliche Argument gegen alle möglichen Utopien ist, dass jeder radikal umdenken und manches hinter sich lassen müsste, wozu freilich niemand gewillt ist. Außerdem, so heißt es, müsste das gesamte Web die Revolution mitmachen, damit sie erfolgreich wäre, was doch ziemlich unrealistisch ist. Wir wollen, so sagt man, also lieber pragmatisch sein. Und so weiter.

Nun, alles zugestanden, ich will die Argumente nicht herunterspielen. Man kann zu dieser Frage stehen, wie man will, faktisch bleiben wir im Teufelskreis gefangen und können höchstens den Schaden begrenzen und verlagern.

Keine Antwort ist auch eine Antwort

Was hilft uns nun die Erkenntnis der Vielfalt, wenn wir sowieso nicht auf sie reagieren können? Sie verhilft zu keiner Lösung, aber zu einer differenzierten Sicht auf die verschmähten und auch die propagierten Methoden.

Alle vermeintlichen Lösungen sind benutzerfeindlich

Bei fast allen Wortmeldungen zum Thema fehlt mir persönlich die Einsicht. Der CSS-Guru Eric Meyer zieht ein kleines Fazit. Eric gibt keine Anleitung, keine Entscheidungshilfe, keine Ratschläge. Sein Fazit trägt nichts zum ewigen Streit bei, er liefert keine neuen Argumente für die eine oder andere Seite. Er fällt sogar allen, die sich ernsthaft Gedanken zum Thema machen, mit destruktivem Zynismus in den Rücken. – Aber gerade damit schafft er mit wenigen Worten äußerste Klarheit und bringt die Sache auf den Punkt. Eric drückt uns in unserer Unentschlossenheit und Verzweiflung auch noch aufs Auge, dass alles, was wir auch machen, falsch ist:

You’re a Web designer, right? You fascist oppressor. … [I]n your last three design projects, you excluded visitors, ran roughshod over user expectations, and generally displayed a lack of understanding of the medium. This is the case no matter what design techniques you used; no matter whose books you read; no matter what you did. You thug.

Eric will damit sagen: Alle bislang hoch gelobten Lösungen sind keine. Was die brennenden Grundsatzfragen angeht, so gibt es keine Patentlösung. In der Praxis geht es darum, für jede Website einen passenden Mittelweg zu finden, verschiedene Ziele miteinander zu vereinbaren. As with layout types, you have to weigh the alternatives and pick the solution that best fits the project and the audience. Und treffen wir erst einmal eine Wahl, so ist sie dennoch weit davon entfernt, allen Besuchern gerecht zu werden. Once you’ve made your decision, you need to remember that some fraction of your users will be annoyed and possibly offended …. Keeping that fraction as small as possible is a sensible goal; trying to bring it down to zero is a fool’s errand..

Die Orientierung am »Durchschnitt« wird der Vielfalt nicht gerecht

Eric Meyers Haltung überhebt sich im wahrsten Sinne des Wortes, um Ratschläge auf einer anderen Ebene zu geben. Was ist nun das Neue? Natürlich haben wir für unsere Webprojekte schon immer unsere Erfahrung und unser Urteilsvermögen eingesetzt, wenn es um die Wahl der Schriftgrößen ging. Natürlich habe wir immer den praktikablen Mittelweg gesucht.

Das Problem ist, dass in Diskussionen jeder glaubt, mit seiner Schriftgrößenvorgabe dem allgemeinen Willen zu entsprechen und es der großen Mehrheit recht zu machen. Überhaupt ist die Anwaltschaft für den Normal- und Durchschnittsbenutzer das Killerargument. Aber jeder, der so argumentiert, sitzt einem Denkfehler auf. Es sind bloße Schattengefechte, weil es die benutzerfreundliche und anpassungsfähige Schrift nicht gibt.

Die realen Lesebedingungen sind zu unterschiedlich und vielfältig, als dass man den Großteil der Benutzer zufriedenstellen könnte. In Wirklichkeit sind die meisten Websites auf eine bestimmte Konfiguration »optimiert« und abweichende Konfigurationen werden benachteiligt. Damit decke ich keinen Skandal auf, sondern sage etwas eigentlich selbstverständliches, was leider aus der Diskussion ausgeklammert wird.

Fazit: Zurückhaltung und Einsicht

Welche Methode wir auch wählen, wir müssen mit dem berechtigten Unmut einer gewissen Benutzerschar rechnen. Wir sollten damit souverän umgehen und diese Schwächen nicht leugnen – schon gar nicht, wenn wir anderen irgendeine Methode empfehlen.

Krasse Widersprüche existieren und die gegenwärtigen Methoden lösen sie nicht. Dass ich nicht einmal meine eigenen Websites auf zwei unterschiedlichen Rechnern angenehm lesen kann, zeigt mir, welche Probleme für meine Zielgruppe lauern. Angesichts dessen scheint mir die Haltung »Ich nehme Rücksicht auf unerfahrene Benutzer, die die Schriftgröße nicht zu skalieren wissen« reichlich einseitig.

Wir sollten uns hüten, gegenüber den Differenzen blind zu sein und auf der Unantastbarkeit unserer Lösung zu beharren, die tatsächlich keinem recht passen mag.

22 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das wichtigste ist meiner Meinung nach die Usability, der Kunde, Besucher oder was auch immer muss sich beim Design und den Schriftgrößen wohl fühlen, man muss sich an das Corporate Design halten und nicht unnötige spielereien auf den Seiten betreiben. Das wichtigste ist meiner Meinung nach immer noch ein einfach aufgebautes Design was auf den ersten Blick gefällt.

  2. Das Problem wird wohl nicht von Webdesignern gelöst werden. Schließlich will man als Designer auch ein Design erstellen und nicht nur eine Anreihung von Bereichen, die sich nur durch Farbe und Inhalt unterscheiden. Daher müssen neue Technologien her, die es zumindest möglich machen für einen großen Teil eine Lösung zu finden. Eine standardisierte Grafikverarbeitung würde auch skalierbare Designs ermöglichen, bei denen es jedem Nutzer frei steht, wie groß der Text sein soll.

  3. Hallo, irgendjemand vorher hat gesagt, dass es wohl für den mit der Schriftgröße unzufriedenen Besucher am einfachsten ist, das Stylesheet abzuschalten.

    Das gehört zwar nicht hierher, aber spätestens dann wird der Besucher ein Seitenlayout zu schätzen lernen, bei dem die einzelnen Seitenelemente und Blöcke mittels einer "unmodernen, veralteten und zu Layoutzwecken missbrauchten" unsichtbaren Tabelle angeordnet sind. Das gilt auch für die zumeist vom Stylesheet ausgeschlossenen restlichen NN4-Surfer.

    Ansonsten bin ich ein Vertreter der nicht formatierten Schriftgrösse, wobei ich die Problematik 110%, 100,01% oder 101% dadurch umgehe, dass ich gar keine Schriftgrösse definiere.

    Allerdings definiere ich die Schriftart, denn Times New Roman und andere Serifen-Schriften sehen sogar bei 16px noch lächerlich aus. Jeder, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt, sollte mal einen Text in gleicher Schriftgrösse einmal in Times New Roman, Arial und Verdana nebeneinander oder untereinander setzen. Spätestens dann merkt man, dass man über dieses Thema unendlich diskutieren kann (macht ja auch Spass), aber keine allgemeingültige Lösung finden wird.

  4. Ich finde, dass die verwendete Schriftgröße, überhaupt die Auswahl der verwendeten Techniken sehr viel mit dem Kunden und der Zielgruppe zu tun hat. Ebenfalls ist der Umfang der Inhalte in Betracht zu ziehen.

    Ich habe neulich eine Webseite gemacht für ein Popfestival, da hat unsere Designabteilung ihren Spieltrieb mit bergeweise Javascript und Minischriften ausgelebt. In so einem Fall finde ich eine Lösung, die sich nicht um Barrieren und Bedenken kümmert, auch völlig akzeptabel. Gleiches gilt nach meinem Dafürhalten für solche Webseiten, die nur existieren, damit der Kunde halt im Internet vertreten ist, die aber so gut wie keine Inhalte bieten.

    Bei den Webseiten, die tatsächlich Inhalte transportieren, bewege ich mich hin und her zwischen pixelorientierten Lösungen wie [1] im Artikel und verschiedenen em/% Ansätzen. Die Entscheidung hängt immer sehr stark vom Design ab, worauf ich zwar Einfluß habe, was mir aber letztendlich fertig geliefert wird.

  5. Das größte Problem in dieser Frage der Schriftgröße sehe ich in dem Zusammenhang von Bild und Text.
    Ein einfaches Beispiel:
    Nehmen wir an, jemand hat einen Auflösung von 1024*768 und erstellt eine Website mit Schriftgröße von 14px und setzt Smilies in den Text ein die zum Schriftbild passen, also 14px hoch.
    Dieser Jemand veröffentlicht seine Seite und ein anderer Jemand besucht diese Seite mit einer Auflösung von 2048*1536 (ich gebe zu die Wahrscheinlichkeit eines solchen Besuchers ist gering) und skaliert die Schrift so das er sie lesen kann… Tja dann hat der Smily gelitten und muss aufpassen das er nicht mit einem einfachen "." Punkt verwechselt wird.

    Textsmilies sind eine Lösung, klar 🙂

    Dies war ein relativ einfaches Beispiel.
    Wie ist es aber, wenn es um die Frage des Designs geht, wenn die Typografie zum restlichen Design passen muss? Bilder sind halt relativ schwer Skalierbar.

    PS: Tolle Diskussion!

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel

  6. Mir persönlich gefällt grundsätzlich 10pt-Schrift am besten, weswegen ich auf meinen Websites die Größe generell auf 0.833em setze. (Warum so genau? 😀 Damit ich die 700px-Breite mit 52.5em angeben kann) Doch letztens stellte ich mir die Frage, wieso kleine Schriften eigentlich überhaupt so "smart" aussehen. Vermutlich liegt es an folgenden zwei Punkten:

    1. Ohne Kantenglättung sieht 12pt-Schrift m. E. einfach scheußlich aus.

    2. Andere UIs auf dem Computer haben i. d. R. eine Schriftgröße von 8-10pt. Die bei den meisten Brausern voreingestellte Schriftgröße von 12pt sticht im Kontrast dazu einfach unangenehm hervor.

    Nun muss ich allerdings zugeben, dass die 0.833em keine wirklich saubere Lösung sind. Eigentlich sollte der Benutzer selber angbegen, welche Größe er will und wenn er diese nun auf 10pt setzt, wirken 0.833 em wieder zu klein. Jedes Mal die Schriftgröße zu ändern wäre wohl net so toll… Und da haben wir das Problem: Würden Brauserhersteller nun die Standardgröße auf 10pt setzen, wäre das zwar technisch im Grunde perfekt, neu erstellte Seiten könnten dann die Standardgröße beibehalten, die alten Verkleinerungen wären dann jedoch zu klein. Also eine Art Teufelskreis…!

    Ich bin tiefst deprimiert 😉

  7. [Siegfried] Wenn der Designer wünscht, daß eine Schrift, egal unter welchen Umständen, auf jeden Fall 14 Pixel groß zu sein hat, dann wäre es standardkonform, das genau so zu berücksichtigen und genau so darzustellen.

    Und dann – kaufe ich mir einen Monitor mit "größeren" Pixeln, wenn der Designer seine Pixelangabe zu klein wählte?

    [Dirk] Besagte Designer (die Guten von denen) legen es oft nicht drauf an, mit kleinen Fitzelschriften zu arbeiten

    Ich habe in Foren schon eine Menge selbsternannter "Designer" (ob diese zu den "Guten" gehör(t)en, sei dahingestellt) angetroffen, die einfach der Meinung waren, größere Schriften sähen "einfach nicht gut aus".
    Ja, es stimmt sicherlich, dass das Gesamtbild eines Textes in den gängigen, "im Web" verfügbaren Schriftarten sich ändert, wenn die Schriftgröße ansteigt. Sind hier auch wieder die Schriftersteller Schuld?
    Auf jeden Fall für mich keine allzu brauchbare Rechtfertigung für Winzigschriften, die schwer zu entziffern sind.

    [Dirk] Und so gerne wir uns immer auf die Seite der Nutzer schlagen: viele von denen wollen keine große Schrift. Es gibt nicht nur die Gruppe von Nutzern, die Probleme mit der Lesbarkeit haben, sondern es gibt in gleicher Weise einen Haufen von Lesern, die ungläubig starren, wenn sie etwa die vergleichsweise übergroße Schrift dieses Blogs sehen.

    Ob das nicht zu einem großen Teil einfach nur Gewöhnungssache ist?
    Vielleicht haben ja die "Designer" mit ihren Winzigschriften über die Jahre hinweg schlicht und einfach den ästhetischen Geschmack der Nutzer in dieser Beziehung "versaut" …?

    [Orlando] Wie wird die Schriftgröße dieses Weblogs wahrgenommen? Ist der Text gut lesbar oder ist er zu groß? Wie wird das Verhältnis von Schriftgrad zu Zeilenbreite aufgenommen?

    Von der Schriftgröße her finde ich es hier wirklich angenehm zum Lesen – insbesondere bei den oftmals längeren Beiträgen und Kommentaren. Bei kleinerer Schrift würde ich mir davon vermutlich weitaus weniger in der Gänze "antun", sondern nur selektiv und überfliegend Lesen.
    Die Zeilenhöhe ist OK, letter-spacing würde ich dem Fliesstext ggf. noch etwas spendieren – mit Werten um 0.1em arbeite dabei ich gerne, so dass die Buchstaben etwas mehr Abstand bekommen. Wobei da neulich auch schon so ein selbsternannte "Designer" meinte, dass würde das "das ganze Zeilenbild noch löchriger" machen, so dass man "Spaghettis durchwerfen" könne …

  8. Wer mit zu kleinen Schriftgrößen im Web wirklich ein Problem hat, der wird entweder nicht den IE benutzen (dessen Einstellbereich ist einfach zu klein, oder durch px-Angaben sowieso stillgelegt),

    Sven, du gehst vom mündigen Besucher aus, der leider die absolute Ausnahme ist. Das Publikum besteht zum größten Teil aus Leuten, die »Internet konsumieren« und keine Ahnung von der zugrundeliegenden Technik oder gar Alternativen haben. Ich selbst habe in der Firma nur den IE 6 zur Verfügung, aufgrund eines eingeschränkten Accounts keinerlei Möglichkeit, andere Software zu installieren und bin auf den Internetzugang angewiesen. Ich muss also den Internet Explorer benutzen. Was habe ich vom benutzerfreundlichen Browser, der daheim auf mich wartet?

    oder er wird im IE etwas gegen px-Schriften getan und seine eigenen Notwendigkeiten für Schriftgrößen durchgesetzt haben.

    Nein. Wir wissen, was zu tun ist. Der durchschnittliche Besucher allerdings sitzt gekrümmt vor dem Monitor, um Minischriften entziffern zu können – und das ist keine Annahme, sondern täglich in der Praxis anzutreffen. Ich habe schon oft fassungslos beobachtet, dass Leute eher an den Scrolleisten herumnesteln als das Fenster zu vergrößern. Auf die tief in Untermenüs versteckte Möglichkeit, im IE »Schriftgradangaben ignorieren« auswählen zu können hinzuweisen, halte ich daher nicht nur für völlig realitätsfern, sondern für geradezu anmaßend. Das macht niemand.

    IE 7 wird px-Größen ebenfalls nicht skalieren können, siehe Screenshot 1, hat aber wenigstens eine Zoom-Funktion aufzuweisen. Dass diese das Problem entschärfen wird, wage ich dennoch zu bezweifeln. Grund: Screenshot 2.

    Ich weiß, dass das "alles auf eine Bildschirmfläche
    kriegen" genau das Problem ist.

    Darüber habe ich mich bereits ausführlich ausgelassen.

    Wie dem auch sei, mit gar keiner Schriftgrößenvorgabe macht man wohl am wenigsten falsch. Dass große Schriften abstoßend wirken, halte ich für ein Ammenmärchen. Was ich für richtig halte, ist wiederum irrelevant – man sollte die Nutzer befragen.

  9. Ich weiß, dass das "alles auf eine Bildschirmfläche kriegen" genau das Problem ist. Für den Informationsanbieter sind tausend Seiten des eigenen Auftritts so wichtig, dass der Besucher sie sofort sehen soll, wenn er die Startseite betritt – deshalb kommen auch tausend Links auf die Startseite, und deshalb ist für den einzelnen Link kaum noch Platz.

    Ich habe ja auch nicht behauptet, dass ich große Schrift will – eher das Gegenteil. Fließtext ist bei mir 12 px groß, Überschriften 13 bis 16 px. Und das eben mit dem unschlagbaren Vorteil, dass ich das einmal definiere, und keine Elementekombination bzw. -verschachtelung mehr rückwärts berechnen muß, um relative Größenvererbung wieder aufzuheben.

    Beschwerden kamen deswegen jedenfalls noch keine. Ich behaupte einfach: Wer mit zu kleinen Schriftgrößen im Web wirklich ein Problem hat, der wird entweder nicht den IE benutzen (dessen Einstellbereich ist einfach zu klein, oder durch px-Angaben sowieso stillgelegt), oder er wird im IE etwas gegen px-Schriften getan und seine eigenen Notwendigkeiten für Schriftgrößen durchgesetzt haben. Man kann dem IE schließlich beibringen, Schriftdefinitionen von Websites komplett zu ignorieren – sofern man nicht noch ganz andere Zusatzsoftware einsetzt (z.B. einen Proxy, der einfach alle font-size-Angaben im Datenstrom löscht).

    Ich halte nur die Argumentation "Benutze relative Schriftgrößen, dann kann der Benutzer die Schrift selbst größer machen und alles ist gut" für absurd und ungültig. Im IE kann der Benutzer das eben doch nur in engen Grenzen (ein 0.1em wird er niemals lesbar groß bekommen), und in allen anderen verbreiteten Browsern wird er sowohl bei em als auch bei px kein Problem haben.

    Es dürfte allerdings am einfachsten sein, an die Inhalte zu gelangen, indem man den Vergrößerungsfaktor einfach ignoriert und stattdessen das Stylesheet einfach abschaltet. Dann gibt es zwar kein Design mehr, aber eben auch keine zu kleine Schrift. Ein Klick könnte dafür genügen – hatte ich erwähnt, dass ich Opera mag? 🙂

  10. Sven, ich denke, du siehst das zu einseitig. Besagte Designer (die Guten von denen) legen es oft nicht drauf an, mit kleinen Fitzelschriften zu arbeiten, sondern haben ganz einfach die Inhalte im Kopf, die auf die Seite müssen. Gleichzeitig. Je nach Seitentyp kann dabei einiges an Inhalten zusammenkommen und man hat nicht viel Auswahl dabei, dessen Ausmaße möglichst gering zu halten. 16px Verdana als Standardschriftgröße eine Website ist in vielen Fällen schlicht untauglich (während hingegen 16px Times okay wäre, wie wir erfahren haben).

    Und so gerne wir uns immer auf die Seite der Nutzer schlagen: viele von denen wollen keine große Schrift. Es gibt nicht nur die Gruppe von Nutzern, die Probleme mit der Lesbarkeit haben, sondern es gibt in gleicher Weise einen Haufen von Lesern, die ungläubig starren, wenn sie etwa die vergleichsweise übergroße Schrift dieses Blogs sehen.

    Wichtig ist ein gutes Mittelmaß für alle, und dessen Wert scheint noch niemand wirklich rausgefunden zu haben, was man auch an dieser Diskussion erkennt.

    Das Feature "Mindestschriftgröße" wäre übrigens klasse, wenn man es nicht hinter den sieben Bergen der Preferences versteckt hätte, und wenn es die Mindestschriftgröße proportional bestimmte. Denn wenn wir davon ausgehen, es mit besagten guten Designern zu tun zu haben, dann erwarten wir einen Sinn hinter dem Verhältnis seiner Textblöcke zueinander (Überschriften groß, Haupttext mittel, Metaangaben, Bildunterschriften und Sidetext klein, etc). Die Angabe der Mindestschriftgröße verfälscht in vielen Fällen den Fokus, wenn weniger relevante Texte plötzlich im Scheinwerferlicht stehen. Eine proportionale Skalierung wäre vielleicht angebrachter: alles auf 100% bringen, anstatt sich nur um die Kleinen zu kümmern.

  11. Wenn man den Ist-Zustand der Schriftgrößen in Browsern beschreibt, kommt man (hoffentlich unstrittig) zu folgenden Ergebnissen:

    • Es gibt eine Standardschriftgröße und -art (!)
    • Der Benutzer kann beide Angaben auch auf individuelle Werte einstellen
    • Tut er das, kommt er leider in Teufels Küche!

    Warum ist es für die Designerfraktion der CSS-schreibenden Webteilnehmer eigentlich soooo schwierig, zu akzeptieren, dass Schriftarten aufgrund der Browservoreinstellungen einfach größer sind, als sie es wünschen? Warum gibt es diesen unstillbaren Trend nach Schriftgrößen in "ultrawinzig"? Und warum glaubt ihr Designer, es würde irgendetwas an ultrawinzigen Schriftarten verbessert, weil dem Benutzer des IE durch relative Schriftgrößen gnädigerweise erlaubt wird, die Schriftgröße in zwei Stufen auf dann hoffentlich für ihn lesbares Niveau anzuheben?

    Ich verwende die Einheit px, und ich stehe dazu. Mit px habe ich einfach die wenigsten Probleme:

    1. Bilder sind in px, also passt die Schriftgröße zu der Bildgröße. Opera vergrößert auf Benutzerwunsch beides gleichmäßig, zerstört also nicht den Gesamteindruck
    2. Meine anderen Längenangaben sind ebenfalls in px, also paßt die Schriftgröße zu Breiten und Höhen
    3. px ist eine absolute Angabe und hat deshalb keine Probleme mit
      • verschachtelten Elementen, die immer kleiner und kleiner werden
      • unmerkbar krummen relativen Werten und daraus resultierend auch Rundungsfehlern, um gegen das Verschachtelungsproblem anzukämpfen
      • daraus resultierend erheblich weniger CSS-Formatangaben, weil verschachtelte Elemente nicht separat gegenformatiert werden müssen

    Ich halte natürlich niemanden davon ab, relative Einheiten zu benutzen. Wer das will und braucht, darf es natürlich. Aber das ist eben nur eine von mindestens zwei möglichen Herangehensweisen.

    Wer grundsätzlich nicht versucht, Schriftgrößen knapp an der Unlesbarkeitsgrenze zu verwenden, der hat nicht nur bei Benutzern des IE, sondern grundsätzlich mehr zufriedene Benutzer. Ist eine Schrift so klein, dass ich sie nicht mehr lesen kann, und erst irgendeinen Vergrößerungsmechanismus bemühen muß, hat die fragliche Webseite verloren.

    PS: Das Browserfeature "Mindestschriftgröße" ist in dieser Hinsicht vermutlich die allerbeste Idee, seit es autorenseitige Schriftgrößenbeeinflussung und den Drang zu "Kleingedrucktem" im Web gibt.

  12. Hallo,

    hilfreich wäre es auf jedenfall, wenn man sich bei den Werkseinstellungen der Browser und den Angaben auf den Webseiten auf einen Webstandardwert 0.8em, 1em, … für die Schriftgröße einigen könnte. Dann würden zumindest auf Webstandard konformen Sites die Schriftgrößen nicht hin und herspringen, so dass dann zumindest solche Seiten mit der selbst eingestellten Schriftgröße angenehm zu lesen sind.

    Mit der Mindestschriftgrößenangabe in Opera und Firefox funktioniert das aber meistens schon gut. Lediglich bei Seiten, die auf eine bestimmte Schrifthöhe zugeschnitten ist, fällt das Layout dann schon mal aus dem Rahmen.

    tschuess
    [|8:)

  13. Die Frage, ob 16px als Standardgröße nun gut oder schlecht gewählt wurden, ist erstens wohl Geschmachssache und zweitens dürfte sich das auch relativ schnell ändern. Die technische Entwicklung schreitet voran. Ich habe bei meinen Eltern noch einen original Centronics 7-Nadel Drucker rumstehen. Der hat naturgemäß eine Schriftgröße von 7px. Bei den alten 12 Zoll Monitoren war eine Schriftgröße von 8px üblich. Die Monitore wurden größer, die Pixel kleiner und folglich die Schriften größer (in Pixeln gemessen). Die Entwicklung geht weiter, und bald wird eine Schriftgröße von 16px auf modernen Monitoren eher klein sein.
    Nützlich wäre eine Art Setup bei der Installation des Browsers, wo man eine Reihe von Texten angeboten bekommt und davon den am besten lesbaren auswählt. Das sollte einmalig bei der Installation des Browsers zwangsweise gemacht werden, zusätzlich zu der Möglichkeit, das später auf eigenen Wunsch weiter anzupassen. Denn es ist sicher richtig, daß Otto Normalsurfer von diesen Möglichkeitne gar Nichts weiß. Muß er ja auch nicht, solange er keine besonderen Anforderungen hat. Und wer besondere Anforderungen hat, weiß i.d.R. auch, an welchen Schrauben er drehen muß.

  14. Etwas wurde hier bisher leider völlig vergessen!

    Die Voreinstellung von 16px ist nämlich durchaus nicht am allgemeinen Geschmack vorbei zu groß gewählt worden, sondern eher noch zu klein. Schaut Euch doch bitte mal dieses unformatierte SELFHTML-Beispiel an. Die Schrift des Fließtextes dürfte vielen schon zu klein sein und sie unterscheidet sich in der Lesbarkeit auch kaum von den oft gesehenen winzigen Designerschriften.

    Mathias hatte es schon angerissen: "beispielsweise liegen zwischen Arial und Verdana bei gleicher Größe Welten" – aber nicht zuende gedacht. Die gängigen Browser werden dort hergestellt, wo Serifenschriften populär sind und die Voreinstellung für Fließtext ist nicht einfach nur 16px, sondern 16px bei einer Serifenschrift, üblicher Weise "Times New Roman".
    Bekanntlich benötigen Serifenschriften zur Lesbarkeit am Bildschirm wegen der hier nur undeutlich möglichen Anzeige der Serifen sowie auch des meist sehr geringen Zeichenabstandes weitaus größere Schriftgrößen als serifenlose Schriften.

    Die ganze Schriftgrößen-Problematik ist also entstanden durch die zunehmende Bevorzugung von serifenlosen Schriften und die eigentliche Ursache liegt darin, daß eben unterschiedliche Schriftarten unterschiedliche Schriftgrößen für eine gleichermaßen gut lesbare Darstellung erfordern.

    Wem schieben wir nun den Schwarzen Peter zu?

    • Den Webdesignern, weil sie lieber serifenlose Schriften einsetzen und diese in einer Größe darstellen wollen, die Serifenschriften entspricht?
    • Den Font-Herstellern, die ihre Schriften nicht egalisiert haben?
    • Den Browser-Herstellern, weil Sie keine unterschiedlichen Vorgaben für Serifen- und serifenlose Schriften gemacht haben?
    • Den Usern, weil sie ihre Schriftvorgaben nicht so einstellen, wie sie Texte gerne angezeigt haben möchten?

    Oder vielleicht auch dem W3C, weil es noch nicht einmal eine Möglichkeit gibt, die Schriftgröße in Abhängigkeit des verwendeten Fonts anzugeben. Denn so ist man selbst bei Verwendung von serifenlosen Schriften in der misslichen Lage, entweder nur eine stark eingeschränkte Schriftauswahl anzugeben oder sich auf einen mehr oder weniger faulen Kompromiß hinsichtlich der Schriftgröße (sowie auch der Laufweite) einzulassen.

  15. Als Benutzer habe ich in meinem Browser (FF 1.5.0.1) eine Mindest-Schriftgröße von 16px eingestellt, so dass mich eigentlich nicht mehr zu interessieren braucht, ob der Webdesigner nun 1em, 0.8em, 5px oder wasauchimmmer eingestellt hat, ich bekomme ziemlich sicher eine leserliche Website; zur Not kann ich ja auch CSS abschalten, wenn z.B. Breiten in Pixel angegeben werden und die Vergrößerung das Design zerschießt.

  16. Wäre es nicht ein Ansatz Variante 3 zu wählen, also Fließtext die Größe 1em zu geben und dann als zusätzliche Anpassungsmöglichkeit die vielseitig verwendeten Größer-Kleiner-Buttons anzubieten? So kann jeder auf jedem Rechner eine für ihn lesbare Standardschriftgröße einstellen und diejenigen die mit zu großer Standardschriftgröße surfen, können die Seite problemlos anpassen.

  17. Ein interessanter und nachdenklich stimmender Beitrag, vielen Dank.

    Ohne das unvermeidliche Hickhack über Gut und Böse vom Zaun brechen zu wollen, ist für mich die Mindestgröße von 1em erforderlich, um Text entspannt lesen zu können. Alles, was darunter liegt, erfordert erhöhte Konzentration und ermüdet mich. Nun ist dies ebenso eine Privatmeinung wie die des Designers, dem kleine Schriften ästhetischer erscheinen mögen. Was freilich fehlt, sind empirische Studien [1], die Licht ins Dunkel bringen und mit Mutmaßungen und Einzelmeinungen aufräumen könnten. Insofern beißt sich die Katze in den Schwanz. Wir können unsere Ansichten austauschen und feststellen, dass diese voneinander abweichen – dein Fazit der engagierten Orientierungslosigkeit erscheint mir daher angemessen.

    These: Ein Grund, der Ersteller dazu bewegen könnte, auf möglichst kleine Schriftgrade zu setzen, ist der Wunsch, möglichst viel an Information auf einer Seite unterzubringen. Je mehr Text auf gleicher Fläche platziert wird, desto höher ist die Anzahl potentieller »Eyecatcher«, die um Aufmerksamkeit ringen. Dies dürfte auch dafür ursächlich sein, dass das scheinbar überwundene Tabellenlayout im CSS-Zeitalter fröhliche Urständ’ feiert und man sich im Grunde nicht mehr Gedanken über die Konzeption macht, als eines der dutzenden n-columns-Layouts auszuwählen, um es anschließend mit redundanten Inhalten zu füllen, die das CMS/Weblog parat hält. Bei der sich daraus ergebenden horizontal begrenzten Zeilenbreite für den eigentlichen Inhalt ist es daher nur schlüssig, eine angenehme Zeilenlänge (in Buchstaben gemessen) durch Schriftverkleinerung erzielen zu wollen. Ein (subjektiv …) angenehm hoher Schriftgrad lässt sich mit gutem Lesefluss, einem in px festgezurrten Header sowie Geraffel an allen Rändern kaum vereinbaren.

    Ist die Divergenz zwischen Autoren, die das Hauptaugenmerk auf Text legen und denen, die zum »Surfen« animieren wollen etwa für diesen Richtungsstreit ausschlaggebend?

    [1] Wie wird die Schriftgröße dieses Weblogs wahrgenommen? Ist der Text gut lesbar oder ist er zu groß? Wie wird das Verhältnis von Schriftgrad zu Zeilenbreite aufgenommen? Spräche positive Resonanz nicht für meine o.a. These?

    Was bleibt, sind viele offene Fragen.

  18. Eine Annäherung besteht möglicherweise darin, verschiedene Stylesheet für verschiedene Bedürftnisse zur Verfügung zu stellen. Dadurch kann man gutes Layout und gute Lesbarkeit zumindestens innerhalb eines gewissen Rahmens vereinen.
    Durch diesen Artikel denke ich jedenfalls über eine solche Lösung für meine eigene Seite nach.

  19. Echt interessanter Artikel, so richtig Gedanken für eine Lösung hab ich mir eigentlich noch nie richtig gemacht, aber das kann ich mir ja nun sparen, denn wie der Artikel schon treffen sagt, es gibt einfach keine. Man kann lediglich versuchen es so vielen wie möglich recht zu machen, was alles andere als einfach ist und alles nur unnötig verkompliziert. 16px ist in der Tat etwas gross, wann entstand denn dieser Standard? Noch zu Zeiten als Webdesign noch nicht so das Thema war und kaum Grafiken verwendet wurden? Ich denke einfach als die 16px festgelegt wurden, war noch nicht abzusehen wie sich das WWW grafisch entwickelt und welche Anforderungen der Benutzer einmal an das WWW stellen könnte. Im Grunde ist das Layout einer Webseite wie eine Brille, bei beiden gibt es nicht die für jede Situation 100% passende Lösung, man muss sich in manchen Situationen einfach mit Einschränkungen abfinden.

  20. Das eigentliche Problem mit der Schriftgröße liegt also darin, dass die Standardgröße der Browser bei ca 16px liegt und damit für John Doe in den meisten Fällen zu groß ist. Als erfahrener Webautor passt man sich dieser Umgebung dadurch an, dass man flexible Schriftgrößen verwendet, die kleiner als 100% sind. Und dadurch, dass kaum jemand im Web die vollen 100% verwendet, die rein theoretisch dem Benutzer gefallen sollen, sehen wir (vereinfacht gesagt) das gesamte Internet in nur 80%-iger Pracht.

    Möchte man denn als Webautor nicht einfach sagen wollen, dass die Schuld beim Browser und dessen Hersteller liegt? Dessen Wahl der 16px-Standardgröße war doch ziemlich willkürlich, und es scheint so, als hätte man damit nicht unbedingt den Geschmack der Massen getroffen.

  21. Nur eine Anmerkung noch: Das "Feature" des Firefox, auch in px fixierte Schriftgrößen durch den Benutzer skalierbar zu machen, ist nicht standardkonform, sondern eine Notmaßname des Entwicklerteams, um auch unlesbare Seiten noch irgendwie lesbar zu machen. Ich habe längere Zeit dazu im Mozilla Entwicklungsforum diskutiert, bis sich das so rausgestellt hat. Die Möglichkeit, wie der IE alle Schriften bis auf die in px fixierten zu skalieren, gibt es im Firefox ebenfalls. Nur ist diese Möglichkeit tief in den "preferences" versteckt.
    Zur Größenangabe in Pixel: Sicher, ein Pixel ist eine relative Größe. Diese Angabe ist relativ zum verwendeten Medium. Aber egal, ob so ein Pixel nur wenige Quadratmikrometer groß ist oder über einen Quadratzentimeter bei riesigen LED-Bildflächen, auf einem Medium bleibt ein Pixel immer ein Pixel. Wenn der Designer wünscht, daß eine Schrift, egal unter welchen Umständen, auf jeden Fall 14 Pixel groß zu sein hat, dann wäre es standardkonform, das genau so zu berücksichtigen und genau so darzustellen. Konsequenterweise übrigens auch auf dem Papier, wenn die Webseite ausgedruckt wird. Die Umgehung dieses Standards durch ein zusätzliches Feature des Firefox scheint allerdings notwendig zu sein. Glücklich bin ich damit nicht, denn die Vergangenheit zeit, daß Browser, die Designfehler "gutmütig" wegstecken und trotzdem noch was Ansehbares auf das Medium zaubern, zu schlechter Codequalität führen. Ich will jetzt nicht so weit gehen und die Abschaffung dieses Features fordern, dazu ist es leider viel zu notwendig. Aber gut ist es nicht.