Tabellen, Spalten und Weblogs vs. Hypertext

Inhaltsübersicht

  1. Die Layouttabelle einst und heute
  2. Aktueller Stand hinsichtlich Markup und Design
  3. Analyse typischer Templates hinsichtlich der Platzverteilung
  4. Fragwürdiger Nutzen überbordender Sidebars
  5. Fazit: Nachbau von Tabellen- und Frameset-Funktionalität
  6. Alternative: Hypertext ist Navigation
  7. Leseempfehlungen

Die Layouttabelle einst und heute

Mit HTML 3.2 wurden Tabellen als Gestaltungsmöglichkeiten eingeführt und fortan weidlich genutzt. Sie ermöglichten es, Bereiche voneinander abzugrenzen und Elemente ohne großen Aufwand zu positionieren. Tabellen schränken jedoch die Flexibilität der Inhalte gehörig ein, wie Mathias Schäfer im Beitrag Grundlagen für Spaltenlayout mit CSS bereits ausführte. Ferner erschweren Layouttabellen

und erzwingen damit eine aufwändigere serverseitige Generierung für beide Medientypen, um zwei weitere gewichtige Nachteile zu nennen. Tabellen als Gestaltungsmittel gelten daher zu Recht als veraltet und werden zunehmend von CSS-basierten Layouts wie YAML verdrängt, wobei die CSS-affine Blogging-Szene eine Vorreiterrolle spielt.

Aktueller Stand hinsichtlich Markup und Design

Analysiert man das von weit verbreiteten Weblog-Systemen generierte Markup, stößt man größtenteils auf validen Quelltext. Ferner wird (X)HTML zur logischen Auszeichnung eingesetzt und per CSS formatiert. Insofern brachten Weblogs aus technischer Sicht eine Qualitätssteigerung mit sich.

Was die grafische Umsetzung betrifft, steht die Entwicklung meines Erachtens jedoch noch weit hinter der des Markups zurück. Ein großer Teil der Betreiber bindet auf jeder einzelnen Seite eine umfangreiche Navigation ein, zumeist wird diese in einen Kopfbereich (»Header«) mit Logo, einen oder mehrere Seitenbereiche (»Sidebars«) und einen Fußbereich (»Footer«) aufgeteilt.

Analyse typischer Templates hinsichtlich der Platzverteilung

Untersucht man beispielsweise die der Weblog-Software WordPress beiliegenden Themes, fällt auf, dass sie allesamt einen Kopfbereich und zwei Spalten aufweisen. Andere Aufteilungen oder sidebar- und damit spaltenlose Vorlagen werden gar nicht erst mitgeliefert. Der für den Inhalt zur Verfügung stehende Platz reduziert sich damit mindestens um ein Drittel, oft sogar um knapp die Hälfte des gestalteten Bereichs.

Die abgebildeten Screenshots erfolgten bei einer Fenstergröße von 1.280 · 1.024 Pixel im Vollbildmodus und zeigen damit einen vertikal überdurchschnittlich großen Bereich. Berücksichtigt man, dass Browser nicht nur den eigentlichen Seiteninhalt anzeigen, sondern auch Titel-, Navigations-, Menü- und Adressleisten aufweisen, verschlechtert sich die Bilanz noch weiter.

Zur besseren Erkennbarkeit wurden Inhaltsbereiche grün und wiederkehrende Navigationsbereiche gelb eingefärbt. Bei der Berechnung der Prozentsätze wurde ungenutzte Fläche, die sich aus einer dem Lesefluss dienlichen Beschränkung der Breite (max-width) ergibt nicht berücksichtigt.

WordPress-Template »Almost Spring«

Bildschirmfoto eines Weblogs mit zwei Spalten und kleinem Kopfbereich Rasterdarstellung

Aufgrund des schlanken Kopfbereichs verbleiben dem Inhalt 64 %, der Navigation 36 % der gestalteten Fläche. Positiv hervorzuheben ist, dass die Navigation dezent gestaltet wurde und die Aufmerksamkeit nicht unnötig ablenkt. Der eigentliche Inhalt steht hier noch im Vordergrund.

WordPress-Template »Blix«

Bildschirmfoto eines Weblogs mit zwei Spalten und großem Kopfbereich Rasterdarstellung

Ein höherer, aber noch nicht übertrieben großer Header beschränkt den Inhalt auf 53 %, bereits 47 % beansprucht die Navigation und die darin enthaltenen auffälligen Überschriften ziehen das Auge an.

Die weiteren Standard-Layouts bewegen sich im Rahmen der oben angeführten Werte, etwas darunter liegen Vorlagen, die zwei Sidebars aufweisen und damit drei Spalten simulieren. Ein exemplarisches Drei-Spalten-Layout:

Bildschirmfoto eines Weblogs mit drei Spalten und Kopfbereich Rasterdarstellung

Dem Inhalt steht mit 47 % bereits weniger Raum zur Verfügung als der Navigation mit 53 %.

Dieses Ergebnis lässt sich auf andere Weblog-Systeme übertragen, da die Templates alle ähnlich aufgebaut sind. Analysiert man die Layout-Vorlagen von WordPress, Textpattern, Movable Type, Serendipity, Drupal usw., so besteht die überwältigende Mehrheit aus zwei oder mehr Spalten. Der Verzicht auf Sidebars ist derzeit die absolute Ausnahme.

Fragwürdiger Nutzen überbordender Sidebars

Weblog-Systeme erlauben die serverseitige Einbindung von wiederkehrenden Inhalten auf jeder Seite. Typische Beispiele sind Navigationsverweise im engeren (Kategorien, aktuelle oder verwandte Beiträge, usw.) und weiteren Sinn (Kalender, chronologisches Archiv, Feeds, Blogroll, Tags, soziale Lesezeichen, Kommentar-Exzerpte usw.).

Es mag dabei verlockend sein, möglichst viele Zusatzangebote unterzubringen, um den Besuchern eine breite Auswahl anzubieten und eigene oder fremde Inhalte zu bewerben. Bei übertriebenem Einsatz entsteht jedoch schnell eine unansehnliche Linkwüste:

Bildschirmfoto eines Weblogs sehr umfangreichen Sidebars Rasterdarstellung

Hier ist Selbstbeschränkung anzuraten. Verweise sind Leseempfehlungen und von daher mit Bedacht auszuwählen und zu präsentieren, zumal es sich um keine einseitigen Verknüpfungen handelt. Interessante Verweisziele steigern aus Sicht der Besucher die Qualität des eigenen Angebots. Inflationäre Verwendung hingegen »entwertet« nicht nur den Inhalt sowie jeden einzelnen Navigations-Link, sie wird entweder ignoriert oder stellt Besucher vor die schwer zu bewältigende Hürde, das wirklich Relevante aus dem Überangebot herauszufiltern. Wie Stefan Münz schon 1997 formulierte:

Der Navigierende orientiert sich an den angebotenen Verweisen. Wenn die Verweise nicht „intelligent“ sind, keinen kontextuellen Zusammenhang herstellen, droht der Navigierende die Orientierung zu verlieren und in jenen Zustand zu geraten, den man in der Hypertextliteratur als „Lost in Hyperspace“ – verloren im Hyperraum – bezeichnet.

Eine schnell auffindbare, dezente und leicht verständliche Navigation sowie projektinterne und -externe Verweise sind ohne Zweifel wichtige Bestandteile von Web-Präsenzen, doch gebührt ihnen nicht mehr Aufmerksamkeit als dem Inhalt. Selbst bei Zurückhaltung ergibt sich ein Konflikt daraus, Sidebars eine dermaßen hohe Bedeutung zuzumessen, deren Inhalt ständig wiederkehren zu lassen und sich gleichzeitig optisch (mittels visueller Trennung) und inhaltlich (mittels wenig informativer Kurztexte) von ihnen zu »distanzieren«.

Es drängt sich die Frage auf, was Autoren dazu bewegt, das Angebot dermaßen auszuweiten. Liegt es an der Möglichkeit, ohne großen Aufwand Plugins installieren zu können? Oder handelt es sich um einen zu gut gemeinten Versuch, Besucher an die eigene Präsenz zu binden oder gar erst anzuziehen? Dies ist ein legitimer Wunsch, denn interessiertes Publikum ist letztlich das Ziel jedes Weblogs und die Konkurrenz ist groß. Meine Ansicht ist, dass zwei Verweise auf relevante Seiten diesbezüglich mehr Erfolg haben werden als 20 Verweise auf Beiwerk. Klasse statt Masse sollte die Maxime lauten, nicht »Käufer des aktuellen Artikels interessierten sich auch für …«.

Die Ausdünnung des Angebots hat nicht nur für die Leserschaft einen zweifelhaften Nutzen, sie beeinträchtigt sogar in besonderem Maße Suchmaschinen, die noch viel schlechter erkennen, wo sich »das bisschen Inhalt« versteckt.

Fazit: Nachbau von Tabellen- und Frameset-Funktionalität

Die Entwicklung flexibler und hinreichend browserkompatibler CSS-Layouts führte zu validem Quelltext und skalierbaren Webseiten, die in allen Ausgabemedien gute Dienste leisten und dem Publikum einen deutlichen Mehrwert bieten. Bei den meisten Templates handelt es sich jedoch immer noch um einen – wenn auch mit modernen Mitteln umgesetzten – Nachbau von Layouttabellen (Header, Sidebar, Footer) mit Frameset-Funktionalität (ständig wiederkehrende Bausteine). Althergebrachte Design-Richtlinien, die größtenteils noch immer auf Tabellendenken basieren, werden nicht in Frage gestellt.

Punkte, die man als Betreiber bei der Konzeption eines entsprechenden Online-Angebots vorab klären sollte, sind aus meiner Sicht:

  • Benötige ich auf jeder Seite einen umfangreichen Navigationsbereich? Oder gar mehrere?
  • Ist sichergestellt, dass Zusatzangebote, die sich größtenteils nur indirekt auf die aktuelle Seite beziehen nicht vom Inhalt ablenken?
  • Sind alle Verweise relevant?
  • Würdigen knapp gehaltene Linktexte das Verweisziel in ausreichendem Maße?
  • Werden Sidebars von der Zielgruppe überhaupt wahrgenommen?
  • Beachte ich selbst beim Besuch anderer Weblogs deren Sidebars?
  • Will ich, obwohl ich Layouttabellen ablehne diese mittels CSS samt Workarounds nachbauen?
  • Ist es daher erforderlich, meine Site in Zellen und Spalten aufzuteilen?

Alternative: Hypertext ist Navigation

Bei umfangreichen Projekten, wie sie Weblogs mit häufigen Einträgen darstellen, ist es eine herausfordernde Aufgabe, schlüssige Navigationsmöglichkeiten zu implementieren, die neuen Besuchern den Zugang zu älteren Beiträgen ermöglichen. Sollte man sich dabei nicht besser auf das Wesen von Hypertext verlassen, Navigationsmechanismen auslagern, ausbauen und schlussendlich auf Spaltenlayouts verzichten?

Leseempfehlungen

14 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Den Kommentar von Matthias (Kommentar 4) finde ich sehr treffend, genauso wie auch einige andere Anmerkungen in den übrigen Kommentaren.

    Ich möchte auch noch einige Anmerkungen zum Thema loswerden:
    Wenn hier "Bei den meisten Templates handelt es sich jedoch immer noch um einen – wenn auch mit modernen Mitteln umgesetzten – Nachbau von Layouttabellen (Header, Sidebar, Footer) mit Frameset-Funktionalität (ständig wiederkehrende Bausteine). Althergebrachte Design-Richtlinien, die größtenteils noch immer auf Tabellendenken basieren, werden nicht in Frage gestellt." die Rede ist, dann möchte ich als erstes mal einwerfen:
    "Das visuelle Web ist viereckig!"

    Egal ob Blockboxen, Zeilenboxen oder sonst irgendwelche Boxen => The web is boxed. Desgleichen bei Bildern – Breite und Höhe = Viereck. Und damit noch nicht genug: Mein Monitor ist viereckig, mein Browserfenster, das Blatt Papier im Drucker, usw.

    Das bei einer möglichst übersichtlichen und sinnvollen Anordnung mehrerer Vierecke in einem anderen Viereck eigentlich immer so etwas wie eine "Tabelle" herauskommt, kann also nicht wirklich verwundern.

    Und einen der Hauptgründe warum Tabellen lange Zeit (und teilweise noch immer) als Layouttabellen verwendet wurden (werden) liegt vielleicht auch darin begründet, dass die Browser im Bezug auf Tabellen eine gewisse "Intelligenz" bereitstellen, die mittels CSS nur durch wesentlich mehr Aufwand zu erreichen ist. Man denke nur etwa an das beliebte Beispiel der gleichhohen Spalten.

    Zum Punkt des nicht in Frage stellens:
    Man sollte sich vielleicht auch mal fragen, was für einen Mehrwert (Nutzen) es denn für den User mit sich bringen würde, wenn die Anordnung der elementaren Elemente auf jeder Webseite anders wäre!
    Erleichtert uns die Gewöhnung daran, bestimmte Elemente auf jeder Webseite an der gleichen Stelle vorzufinden nicht das Zurechtfinden auf den tausenden von verschiedenen Seiten im Web?
    Der Mensch ist nun mal ein "Gewohnheitstier". Daraus resultiert auch, dass wir Informationen (und um die geht es ja) nicht auf jede Art & Weise gleich gut auffassen und konsumieren können. So haben wir (zumindest wohl die meisten von uns) das Lesen anhand von Büchern erlernt (die nebenbei bemerkt auch viereckig sind) mit einem Textfluss von links nach rechts (weil das bei uns so üblich ist, im Gegensatz zu bspw. arabischen oder asiatischen Ländern). Folglich lesen wir auch auf dem Bildschirm Text schneller und einfacher, wenn er in der uns gewohnten Form vorliegt und nicht etwa in einem Kreis (Zeilen schon horizontal) angeordnet ist.

    Ist dürfte ebenfalls erwiesen sein, dass die Mehrheit der Menschen Bildschirmseiten in einer bestimmten Reihenfolge (mit dem Auge) betrachten. Also warum sollte man dem Userverhalten und den Usergewohnheiten zuwiderhandeln? Nur weil man meint partout etwas Neues machen zu müssen? Das sehe ich nicht so.

    Auf das Thema der Navigation möchte ich gar nicht erst eingehen, da es so umfangreich ist, dass es den Rahmen (eines Kommentars) hier sprengen würde.

    Ich möchte allerdings noch anmerken, dass ich ansonsten vom Autor dieses Artikels eigentlich qualitativ bessere Arbeiten gewöhnt bin. Für meinen Geschmack ist der Artikel zwar sehr "provokant" formuliert, lässt aber etwas tiefer gehende Begründungen und Argumente vermissen.

    Letztlich zählt ja auch, dass die Leute mal wieder zum Nachdenken angeregt werden, um nicht dem Herdentrieb getreu in eine Art "Automatismus" zu verfallen. Und das hat der Artikel bei mir auf jeden Fall erreicht!

    Gruß Gunther

  2. Zurecht fällt hier die Kritik über "überbordende" Marginalien-Spalten. Die Dichotomie zwischen Hypertext und "Tabellen-Layout" ist allerdings eine künstliche. Hypertext ist ja nicht zuletzt auch text und halt als solcher praktisch immer eine typographische Repäsentation. "Tabellen-Layouts" insbesondere solche mit blinden Tabelle sind nicht zuletzt auch im Netz deshalb so populär, weil sie das wichtigste typographische Gestaltungs- und Strukturierungswerkzeug optimal umsetzten: das (Grundlinien-) Raster. Hypertext hat nun einmal das Problem, dass er [ganz ähnlich wie die Zeitung] viele evtl. nur lose zusammenhängende Informationseinheiten auf einer Fläche präsentieren muss. Gute mehrspaltige Layouts sind schlicht ein Werkzeug um die Aufmerksamkeit des Benutzers gestaffelt zu lenken.

    Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, das Hypertext [von wenigen 3D-Experimenten mal abgesehen] ein typographisches Medium ist und bleiben wird. Bei steigender Komplexität der Zusammenhänge zwischen den einzelnen Knoten [und das beobachten wir ja kontinuierlich, gerade in den Blogs] eines Hypertextes gibt es nur zwei Wege dies dem Benutzer auch zu präsentieren: entweder mehr Links auf eine Seite oder mehr Klicks.

  3. @Boris:

    Hypertext besteht seinem Wesen nach schlicht aus Links, die ich setze, um über ein Textelement aktiv auf ein anderes Dokument zu verweisen. Mehr Wesen ist da nicht.

    Das Wesen von Hypertext ist für mich der Verweis auf eine Referenz im Sinne einer Bewegung weg vom aktuellen Dokument. Das Einbinden zahlreicher Verweise, die quasi »von außen« hereindrängen empfinde ich als verkehrt gedacht. Ein Verweis auf eine Seite, die Linkziele sinnvoll kategorisiert und ausführlich beschreibt ist meines Erachtens besser geeignet, Zusammenhänge darzustellen. Die dort untergebrachten Verweise hätten allesamt Relevanz – was man von an den Rand geklatschten Linkfetzen nun nicht gerade behaupten kann.

    Ich brauche also irgendwelche artikelunabhängigen Steuerelemente für den Dokumenten-Komplex (sei es ein Weblog), um den Gesamtzusammenhang herzustellen

    Natürlich, das habe ich keineswegs bestritten. Sidebars und speziell deren aktuell vorherrschende Ausprägung halte ich allerdings für nicht besonders geeignet.

    Navigation, die ich erst suchen oder gar »erklicken« muss, ist schlicht keine, sondern ein Widerspruch.

    Navigation ist wichtig, muss präsent sein, sollte aber nicht im Vordergrund stehen und/oder zum Selbstzweck werden. Navigation ist kein Inhalt, sie ist unterstützendes Beiwerk. Ich glaube nicht, dass ausgelagerte Navigationshilfen (sofern diese schnell erkennbar und immer erreichbar sind) Besucher vor ein Rätsel stellen. Hältst du Sitemaps generell für ungeeignet? Wie empfindest du die Navigationshilfen in SELFHTML, einem Projekt mit mehreren tausend Seiten? Vermisst du mehr Navigationsverweise?

    @Matthias: Dass ich keine Alternativvorschläge erarbeitet, sondern schlicht auf »Hypertext« verwiesen habe, liegt am Zeitmangel und nicht an fehlender Inspiration. Im Zuge der Verbesserung dieses Weblogs werde/n ich/wir Vorschläge erarbeiten und voraussichtlich hier zur Diskussion stellen.

    Nur kurz: Ich halte den Weg, den Stefan Münz mit SELFHTML eingeschlagen hat für optimal. Im Seitenkopf befinden sich ein Breadcrumb Trail und ein Verweis auf externe Navigationshilfen. Weder Inhaltsverzeichnis, Stichwortverzeichnis, Quickbar, Sidebars noch Suchfunktion sind überall präsent und dennoch finden die Leute, wonach sie suchen.

    Bezüglich der angesprochenen Einbahnstraße frage ich mich, warum es nicht möglich sein sollte, in älteren Beiträgen auf neue zu Verweisen. Man verfasst diese doch nicht für die Ewigkeit, oder? Wenn Themen existieren, die einer Bearbeitung bedürfen halte ich es für selbstverständlich, im alten Beitrag auf den neuen zu Verweisen wie auch umgekehrt. Lange Wege lassen sich mittels paralleler Verweissamlung (Kategorie, Tag, Autor, Datum, usw.) vermeiden. Die Alternative wäre die kritisierte Überfrachtung der Sidebars. Je mehr Beiträge existieren, desto breiter muss m.E. auch die Navigationsstruktur angelegt werden. Intransparenz lässt sich vermeiden, wie oben am Beispiel SELFHTML angeführt. 100 Verweise auf einen Schlag sind für mich jedenfalls intransparent.

    Was nun dieses Weblog betrifft, ersuche ich um etwas Geduld. Über mehr als die puristische Aufmachung selbst haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Das hat molily bereits erwähnt.

    Ich danke euch für die wohl durchdachten und interessanten Stellungnahmen und verbleibe mit dem Schlachtruf

    »Alles Spalter, diese Columnisten!« 😉

  4. Manuela,

    Danke für deinen Kommentar. Natürlich habe ich die Struktur mittlerweile verstanden – ich habe sie schließlich zum Zwecke meines Postings eingehend analysiert. Vorher hatte ich nicht diesen Überblick und mir war die Fülle deiner Site auch nicht einleuchtend. Zeitraubende Analyse ist das eine, (halbwegs) intuitives Verständnis das andere (wie gesagt, es ist nicht einfach, soviel Content übersichtlich zu verwalten und zugänglich zu machen).

    Und natürlich kann jeder experimentieren, wie er möchte… Experimente liefern aber Resultate, aus denen man Erkenntnisse destillieren kann. Und eines dieser Resultate beschrieb ich.

  5. @molily, ich denke, Du fühlst Dich zu unrecht überfordert, wenn Du von pixelgraphix sprichst. Offenbar hast Du die durchgehende Stuktur sehr gut verstanden und erschlossen. So kannst Du Dich beim Besuch ganz darauf verlassen und darum geht es, wenn man komplexe Inhalte gliedern will. Der Besucher muss wissen, wo er was findet. Und das gelingt ihm, wenn man ihm durchgängige und durchaus auch redundante Hilfen bietet. Wie man das macht, hängt von vielen verschiedenen Faktoren und den Anforderungen des jeweiligen Projekts ab. Natürlich muss die Sidebar nicht breit und gefüllt sein. Für dieses Projekt wollte ich aber einen Versuch in die Richtung starten und die bisherige Zahlen und Kommentare zeigen, dass es nicht die schlechteste Entscheidung war. Auch ein Einspalter mit Suche wäre möglich gewesen, spricht aber gegen die Vielzahl an Inhalten, die nicht versteckt werden muss. Denk doch mal an die Nicht-Stammleser, die täglich über Google kommen. Da sind die wenigsten Weblog-affin bzw. greifen sofort nach der Suche um alte Inhalte zu finden. Außerdem kann man dem Besucher auch noch einen Mehr-Wert über die Sidebars bieten, die der typische RSS-Leser nie zu Gesicht bekommt. Als Besucher muss man das Angebot ja nicht annehmen …

    Webseiten sind nie fertig, komplett stimmig und starr. Jedenfalls nicht in meinen Augen. Sie entwickeln und verändern sich, wie die Leute, die dahinter stehen. Und die Freiheit, auf eigenen Projekten Positionierungen und Elemente zu testen, sollte man jedem zugestehen. In Deinen Worten ("Keep it simple, stupid!") lese ich eine merkwürdige Erwartunghaltung, die zu füttern nicht mein Anliegen ist.

  6. Sie sahen gerade, was passiert, hat man eine Seite mit einem zu tippenden Kommentar zu lange in einem Tab offen. Hmpf.

  7. Siegfried:

    Mit html 3.2 wurden zwar Tabellen eingeführt, aber ganz bestimmt nicht als Gestaltungsmittel.

    HTML 3.2 würde ich da gerade nicht zitieren. Schließlich heisst es dort:

    HTML 3.2 includes a widely deployed subset of the specification given in RFC 1942 and can be used to markup tabular material or for layout purposes.

    Das geht auch weiter zurück, im verworfenen Entwurf für HTML 3.0 heisst es:

    Borderless tables are useful for layout purposes as well as their traditional role for tabular data …

    Kein Wunder, schließlich dienten diese Entwürfe nur dazu, das bereits vorhandene Verhalten von Browsern zu dokumentieren und im Nachhinein eine Spezifikation aus dem Ärmel zu zaubern. Die Utopie der perfekten Tabelle findet man eher in den früheren Entwürfen dafür, RFC 1942 und HTML+. Eine halbwegs strenge Interpretation von Tabellen dem heutigen DogmaSinne nach findet sich dann erst wieder in HTML 4, auch wenn der Text manchen zu lax erscheinen mag:

    Tables should not be used purely as a means to layout document content as this may present problems when rendering to non-visual media. […] To minimize these problems, authors should use style sheets to control layout rather than tables.


    Zum eigentlichen Thema: Ich blogge ja schon seit 2002 nicht mehr, habe auch nicht unbedingt vor, wieder ein eigenes Blog anzufangen. Allerdings mache ich mir durchaus Gedanken übers Layout; ich würde da auch wohl Hypertext als Navigation verwenden. Konkreter: hypertextualisierte Metadaten als Navigation, schließlich sind dies die einzigen Daten, nach denen man etwas in einen größeren Kontext (dem Weblog) einordnen kann. Und für alles andere gibt es die Suche.

    Folgt man dem Gedanken, daß eine Artikel/Post/Eintrag im Weblog eine eigenständige Ressource ist, die auch ohne Einbettung in das konkrete Weblog für sich selbst existieren kann, so hat dieser Artikel immer noch Metadaten. Das auffälligste Metadatum ist das Erscheinungsdatum des Artikels. Nichts spricht dagegen, dieses Datum als Verweis zu gestalten, der dann auf die jeweilige Organisation nach Erscheinungsdatum im Weblog-Kontext dienen kann. Am Beispiel dieses Weblogs: 21. März 2006. Diese zeitlichen Kontextseiten bieten letztendlich alles an Navigation, das man braucht, in einer Kalenderdarstellung wie bei Sam Ruby kann man diese auch schön miteinander verknüpfen.

    Das nächste interessante Metadatum im Kontext von Multi-User-Weblogs ist der Autor des Beitrages. Verlinken. Mit einem Autorenporträt, das auch Zugriff auf alle Artikel dieses Autors bietet. Ein Nonbrainer, eigentlich. Ebenso Kategorien oder Tags, einfach auf eine Seite verlinken, die diese genauer spezifiziert, anstatt auf Technorati zu verlinken.

    All diese Metadaten haben gemein, dass sie sich bequem und unauffällig auf der Seite unterbringen lassen können; man erwartet sie geradezu, besucht man eine Seite mit nur einem Artikel zu einem Thema. Und mittels CSS lassen sie sich auch bequem als nicht-aufdringliche Links darstellen.

    Und alles andere, nicht der Navigation dienende? Auslagern auf eigene Seiten, nichts spricht gegen <var>http://example.org/weblog/blogroll</var&gt;, <var>http://example.org/weblog/letzte-kommentare</var&gt;, etc. – ausser vielleicht das Unbehagen, nicht alles auf einen Blick sehen zu können. Aber dafür kann man auch eine Alles auf einen Blick-Ressource gestalten. <var>http://example.org/aktuelle-aktivitäten</var&gt;, auf der Weblog, Kommentare woanders, Bookmarks, Flickr und wasauchimmer aggregiert werden. Dazu gibt es die Technik ja.

  8. Matthias,

    Danke für eine Kritik, ich gebe dir da größtenteils Recht. Die Navigation hier ist nicht nur minimal, sondern tendenziell unkomfortabel. Die Weblog-Software ist kein riesiges Projekt wie WordPress oder andere Standardlösungen, sondern eine Eigenentwicklung (das hat verschiedene Gründe – wir nutzen z.B. PostgreSQL). Das gegenwärtige Archiv erfordert ist tatsächlich unnötige Klickerei. Ich muss irgendwann einmal versuchen, da eine gute Übersicht hineinzubekommen und auch die Kurzbeschreibungen einbinden, die ich erst kürzlich überall nachgetragen habe. Das Kategoriensystem hier ist auch noch nicht ausgereift. Features wie Tagging fehlen und Siehe-auch-Links können noch nicht generiert werden. Das wird vielleicht einmal kommen, aber wir haben mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen.

    Was die »Einbahnstraße« angeht, so sprichst du einen wichtigen Aspekt an. Wir veröffentlichen hier eher längere Fachartikel, aber auch kurze News und Hinweise. Die Artikel müssen ab und zu überarbeitet und ergänzt werden, sodass sie neuere Entwicklungen verlinken. Ich bin vom Wiki-Prinzip beeinflusst, also das ständige Fortschreiben, auch durch die Leser durch Kommentare. Ich persönlich halte nichts von »Absenden und Vergessen« als Prinzip in Weblogs, für mich ist ein solcher Artikel kein Ausdruck des Moments, in dem er geschrieben wurde. Aber der verbreitete Weblog-Charakter geht eher in die Richtung, Einträge herauszuhauen und dann nicht mehr zu verändern, sondern höchstens neue zu schreiben, die die alten ablösen. Links vom alten auf den neuen Eintrag setzt aber leider niemand, automatische Siehe-auch-Links sind eine kleine Abhilfe. Diese Praxis ist angemessen für die meisten Blogging-Stile. Denn die meisten Weblogs verweisen lediglich auf aktuelle Entwicklungen. Ich stehe solchem Blogging eher skeptisch gegenüber.

  9. Siegfried,

    »Mit html 3.2 wurden zwar Tabellen eingeführt, aber ganz bestimmt nicht als Gestaltungsmittel.«

    Dann lies doch einmal HTML 3.2! Tabellen wurden auch als Layoutmittel in HTML eingeführt.

    HTML 3.2 includes a widely deployed subset of the specification given in RFC 1942 and can be used to markup tabular material or for layout purposes.

    Unter History of HTML tables – introduction gibt es eine weitesgehend neutrale, umfangreiche und sauber recherchierte Dokumentation zu dieser Frage. Sie zeigt anhand eindeutiger Zitate aus technischen Entwürfen und Spezifikationen, dass Tabellen in HTML auch zu dem Zweck eingeführt wurden, Spaltenlayout zu ermöglichen.

    Soweit zur Geschichte. Die muss man kennen. Aber auch wenn dieses »Argument« gegen Tabellenlayout wegfällt: Man braucht es überhaupt nicht. Es gibt genügend andere sehr gute, viel stichhaltigere Gründe gegen Tabellenlayout und für CSS-Layout. »Tabellen sind nicht für Layout gedacht« wird ständig angeführt, dabei ist es historisch unzutreffend und kein praktischer Grund, also nicht schlagkräftig. Lasst uns davon wegkommen zugunsten von wirklich guten und richtigen Gründen!

  10. So sehr die Codequalität mit den Blogs gestiegen sein mag, der optische Einheitsbrei der damit einher ging hängt einem zwischenzeitlich zum Hals raus. Jeder Webdesigner sollte fähig genug sein, sich über »kubrick« zu erheben. Bliebe nur noch der Mut es zu tun – siehe link

  11. Der Hypertext wird schon richten? Schade, dass der Autor sich darüber ausgeschwiegen hat, wie das geschehen soll. Nur durch Links im Text? Ich sehe da einige Probleme:

    • Einbahnstrasse: Da die Artikel in einer zeitlichen Reihenfolge verfasst werden, und ich nur Links auf Artikel die schon existieren setzen kann, bewege ich mich über Links in Artikeln zwangsweise immer weiter zurück – jedoch niemals vorwärts. Ausser, ich mache mir die Mühe, auch die Alten Artikel öfter mal zu überarbeiten und "nach-vorne -Links" einzufügen, was allerdings ab einer gewissen Artikelzahl schlicht unmöglich wird.
    • lange Wege: je mehr Artikel dazukommen, desto länger werden die "Klickwege", um jeden Artikel zu ereichen. Spätestens wenn ein Besucher sich durch 4 oder mehr Artikel "hangeln" müsste, um einen für ihn interessanten Artikel zu erreichen, wird er ihn faktisch garnicht mehr sehen.
    • Intransparenz: Ein einfacher Hyperlink mag über sein Ziel hinreichende Auskunft geben können. Weitere Ebenen bleiben dem Leser jedoch solange verborgen, wie er den Link nicht angeklickt hat. Da er in jedem Artikel aber nur einem (oder wenn er mit Tabs oder neuen Fenstern arbeitet, vielleicht 2 oder 3) von vielen Links folgen kann, läuft er auf diese Weise faktisch an einem Grossteil der Inhalte vorbei. Zusammen mit der zeitlichen Einbahnstrasse ist das der Tod für die gezielte Informationssuche. Hier würde nur noch eine Suchmaschiene weiterhelfen.

    Dieser Weblog ist ein gutes Beispiel dafür, dass reine Hypertext-"Navigation" Inhalte mehr verbirgt als sie erreichbar zu machen. Wie komme ich von dieser Seite zum Artikel "Grundlagen für ein Spaltenlayout mit CSS"? (ohne die Sidebar zu benutzen) Klickweg: SELFHTML aktuell Weblog –> ganz runterscrollen –> Archiv –> 2006 –> Januar –> Grundlagen für Spaltenlayout mit CSS. Kein Link ausser dem auf den Artikel selbst gibt irgendeine Auskunft über Inhalte. Wenn ich interessante Artikel suche, bleibt mir nichts weiter übrig als jedes Monatsarchiv einzeln (2 klicks pro Archiv, plus einen für jeden Jahreswechsel!) anzuschauen. Das mag bei den jetzt vorhandenen 5 Arhciven noch ertäglich sein, aber was ist in zwei oder drei Jahren? Und was ist mit Blogs, die mehr als ein, zewi Einträge pro Monat haben?

    Fazit: gerade für Weblogs, wo in mehr oder weniger regelmässigen Abständen relativ statische Artikel veröffentlicht werden, die für längere Zeit von Belang sind, ist eine durchdachte Navigation unerlässlich. Das heisst natürlich nicht, einfach eine Sidebar mit Links zu den letzten 100 Artikeln vollzupflastern – dann ist die Übersicht genauso hinüber. Vernünftige Kategorisierung (mit Kategorien, die einen Bezug zum Inhalt haben!), und eine sich an den Kontext anpassende Navigation, die Informationen auswählt, und die Orientierung unterstützt (Breadcrump path, siehe-auch-Links…), ist ab einer gewissen Artikelzahl unerlässlich – wenn man will, das Besucher nicht nur die drei neuesten Artikel lesen.

  12. Mit html 3.2 wurden zwar Tabellen eingeführt, aber ganz bestimmt nicht als Gestaltungsmittel. Als solches wurden Tabellen lediglich von Webdesignern "entdeckt". Die Behauptung, Tabellen wären als Gestaltungsmittel erfunden worden ist nicht nur falsch, sie führt heute dazu, daß man Tabellen als Designfehler missversteht und Tabellen meidet wie der Teufel das Weihwasser. Mit Tabellen haben die html-Designer keinen Fehler gemacht. Tabellen sind erfunden worden zur Darstellung tabellarischer Daten, und dazu sind sie auch heute noch gut und angebracht. Nur die Notbehelfs-Krücke, Tabellen auch zu Layoutzwecken zu missbrauchen, die ist heutzutage überflüssig.

  13. Navigation ist immer ein »Erklicken«. Wenn nicht, dann müsste man versuchen, jede Unterseite mit jeder anderen zu verknüpfen, zu der der Leser gerade möglicherweise springen will. Was dabei herauskommt, hat Roland beschrieben.

    pixelgraphix.de ist bei allem gebührenden Lob so ziemlich die überladenste Seite, die ich kenne. Das Redesign wurde bereits kritisch diskutiert, deshalb nenne ich einmal konkrete Beispiele. In der Disziplin Sidebar-Schwanzvergleich hätte pixelgraphix.de garantiert die längste.

    Es gibt dort ein Hauptblog, ein Sideblog, ein Tippverzeichnis, ein Linkverzeichnis. Massig Content also mit einer komplexen Hierarchie und verschiedenen Zugängen, jeweils mit Kommentarfunktion. Eine Sitemap von pixelgraphix.de wäre ein riesiger Baum. Gerade deshalb wäre es so wichtig, diese komplexe Ordnung möglichst klar, einfach und verständlich herüberzubringen. Das wird aber m.M.n. nicht geschafft.

    Auf jeder Unterseite gibt es eine Hauptnavigation, die einen zwischen diesen Rubriken wechseln lässt. In der zweispaltigen Sidebar wird diese Hauptnavigation teilweise wiederholt. Und es gibt dort die Headlines der jeweils anderen Rubriken bzw. Querlinks zu den letzten Einträgen derselben Rubrik (nicht zu vergessen: im Content-Bereich gibt es bereits Links zu den vorigen bzw. folgenden Einträgen). Ferner die gesamte Kategoriestruktur der jeweiligen Rubrik, dazu ein Archiv-Dropdown (zusätzlich zu Archiv-Links zu den letzten drei Monaten), ein Suchfeld. Und überall die neuesten Kommentare. Und der Blogroll oder welche Bücher sie gerade liest. Und natürlich durchgängig Hinweise auf die jeweiligen RSS-Feed. Wah! Das erschlägt ja.

    Es gibt dadurch auf jeder Seite hunderte Links und viele Links kommen mehrfach im Dokument vor. Da muss ich mir wahrlich nichts Erklicken, fast jede Unterseite ist von jeder Unterseite mit einem Klick erreichbar. Aber erscrollen muss ich alles und erst einmal durch den Wust hindurchfinden. Das ist schlicht Informationsüberladung. Keep it simple, stupid! Wie auch in den Kommentaren zum Redesign gesagt wurde: Das wenigste davon brauche ich – zumindest nicht alles auf einmal auf direktem Abruf. Anstatt mir ein paar ausgewählte, nützliche Querverweise zu bieten, bekomme ich alles auf einen Schlag. Diese Sidebars stiften gewaltige Desorientierung. Der wirkliche Content geht sowieso darin unter – 90% des Raumes wird durch Querverweise eingenommen. Ein bestimmter Content ist dadurch nicht an einem bestimmten Ort, sondern taucht durch Einbindung von Titeln und Exzerpten überall auf.

  14. Ich denke, genau solche Fragen stellen sich im Moment gerade eine ganze Reihe von Bloggern/Webdesignern. Und sie experimentieren in gegenseitigem Austausch mit verschiedenen Möglichkeiten. Darunter so interessante Ansätze wie den Blog-Einspalter mit untenliegendem Link- und Navigationsblock, der lediglich den aktuellsten Artikel prominent präsentiert (z.B. powazek.com). Was sicher jedem Screendesign-Katechismus widerspricht, aber das interessiert eigentlich nicht vorrangig…

    Oder ich denke an die Aufräumarbeiten, die viele Blogger (mich eingeschlossen) zur Zeit in ihren Sidebars vornehmen. Da fliegen Blogsystem-Defaults wie Monatsarchive schnell einmal heraus auf eine Archiv-Unterseite, weil sie nicht wirklich als sinnvoll erachtet werden. (Wer hat das jemals genutzt?) Stattdessen werden Tag-Systeme und Hinweise auf Kommentare eingerichtet, weil man so den Lesern die themen- und interessensorientierte Suche erleichtern kann.

    Was die Layouts in Spalten, mit Headern und Footern o.ä. angeht, denke ich, dass wir Webdesigner nicht die alten Tabellenlayouts rückfällig mit modernen Mitteln nachbauen, wir bauen vielmehr Layouts, die wir für brauchbar halten (was immer diskutierbar ist und diskutiert wird) mit zeitgemäßen Mitteln, die wir früher mit anderen Mitteln gebaut haben. Das Ziel kam vor den technischen Mitteln, und diese sind heute bloß semantisch adäquat (und waren es früher nicht).

    Den letzten Absatz im Artikel halte ich übrigens für etwas irritierend:

    Hypertext besteht seinem Wesen nach schlicht aus Links, die ich setze, um über ein Textelement aktiv auf ein anderes Dokument zu verweisen. Mehr Wesen ist da nicht. Und sicher keines, das sich irgendwie ergeben könnte, quasi emergent wäre und insofern irgendwie verlässlich ohne mein bewusstes Zutun.

    Um einem neuen Leser ältere Beiträge zugänglich zu machen, bleibt mir nicht viel anderes übrig, als ihn in irgendeiner zuverlässig nachvollziehbaren Form dorthin zu verweisen. Dass ich das relativ offensichtlich tun sollte, weil er es sonst nicht findet, erscheint mir gar nicht weiter der Rede wert.

    Ein bloßer Artikel, der ohne (von ihm selbst unabhängigem) Navigationszusammenhang im Raum steht, verweist schlicht nigendwohin (außer zu eventuell eingebetteten externen Quellen, die ich verlinke, aber das ist eben nicht der Punkt). Ich brauche also irgendwelche artikelunabhängigen Steuerelemente für den Dokumenten-Komplex (sei es ein Weblog), um den Gesamtzusammenhang herzustellen – und darzustellen.

    Ich finde es nicht unangemessen, wenn man dies auf eine durchgängig konsistente Weise macht. Das, was immer unverändert am selben Platz ist, ist unspektakulär und lenkt am wenigsten ab. Navigation, die ich erst suchen oder gar »erklicken« muss, ist schlicht keine, sondern ein Widerspruch.

    Tatsächlich ist es wichtig zu diskutieren und zu ermitteln, welche Elemente auf Websiten (ob Blog oder nicht) genutzt werden und welche nicht. Wie gesagt, hier gibt es inzwischen eine interessante Diskussion unter Bloggern/Webdesignern, und es wird eifrig gebastelt. Und ich sehe zahlreiche Fälle, wo sich Blogger inzwischen ziemlich weit von den Layout- und Inhalts-Vorgaben ihrer Blogsysteme entfernen und neue Ideen ausloten. (Und das sogar ziemlich unbeleckt durch Herrn Nielsen, was gar nicht mal schaden kann…)