Google in der Personalabteilung — Fluch oder Segen?

Qualifizierte Arbeitgeber und Personalmanager?

Google ist im Jahr 2007 die Suchmaschine schlechthin. „Was man in Google nicht findet, das gibt es auch nicht“, hört man doch immer wieder. Google ist der neue „BigBrother“, ihr entgeht nichts, keine Webseite, kein Blog und auch kein Beitrag aus unserem Archiv. Google zu benutzen ist ziemlich einfach: das gesuchte Wort oder Wörter eintippen und auf „Google Suche“ klicken. Schon bekommt man, je nach den gesuchten Begriffen, wenige oder viele Treffer aufgelistet.

So weit, so gut. Dass man in Google nicht nur nach Themen suchen kann, die einen interessieren, sondern auch nach Namen von Personen, hat sich inzwischen sogar bei Arbeitgebern und Personalmanagern herumgesprochen. So kann es doch schon vorkommen, dass man bei einer Bewerbung mit den Ergebnissen einer Google-Suche, deren Ziel der eigene Name war, konfrontiert wird. Nun stellt sich die Frage, wie Arbeitgeber und Personalmanager mit diesen Ergebnissen umgehen. Dass man Google bedienen kann, qualifiziert weder Arbeitgeber noch Personalmanager allein.

Wie qualifiziert sind „sie“?

Für den Arbeitgeber stellt sich die Frage, wie qualifiziert die Bewerber sind. Für die Bewerber stellt sich aber immer öfter die Frage, wie qualifiziert die Arbeitgeber bzw. deren Personalbeauftrage
denn eigentlich sind? Da wir hier bei SELFHTML sind und das oberste Thema „Webseitenentwicklung“ ist, bleibe ich bei Arbeitgebern aus diesem Umfeld (und natürlich auch bei Ergebnissen einer Google-Suche, die
Treffer aus dem Forums-Archiv liefern).

Da ich schon selbst mit solchen Suchergebnissen konfrontiert war, kann ich eigene Erfahrungen schildern. Das erste Mal hat es (auch) mich überrascht, als der erste Satz meines — damals zukünftigen — Arbeitgebers nach der Begrüßung lautete: „Wir haben in Google gesucht und gesehen, dass Sie bei SELFHTML sehr aktiv sind“. Nun, was kann man auf so eine „Frage“ antworten, außer: „Ja, das stimmt.“? Bei einem späteren Arbeitgeber verlief es ähnlich: „Ich habe gesehen, dass Sie bei SELFHTML mitmachen. Das ist wirklich toll, die Doku hat unseren Entwicklern schon tausend Mal das Leben ‚gerettet‘“. Beide Male wurde ich also durch Google „durchleuchtet“, noch bevor ich ein erstes Gespräch mit meinem Arbeitgeber hatte führen können (ich hatte SELFHTML in meinen Bewerbungen nicht erwähnt).

Auch wenn meine Erfahrungen positiv sind, bin ich vermutlich nicht der typische Fall für eine solche Google-Suche. Nichts desto trotz: meine beiden Arbeitgeber haben sich gut informiert, der bloße Treffer
mit dem Namen war nicht genug, sie haben auch überprüft, was ich über die Jahre (im Großen und Ganzen) gemacht habe, haben ihre eigene Schlüsse gezogen und wollten von mir dann weitere Details wissen.

Man kann sagen, dass diese Arbeitgeber durchaus qualifiziert waren. Das es auch anders laufen kann, zeigt das folgende Beispiel.

Wenn der Personalmanager von Gestern ist!

Neulich bekamen wir hier eine E-Mail an die Redaktion mit der Bitte, einen Beitrag aus dem Archiv zu löschen. Da dieser Beitrag aus dem Jahr 2004 stammt, haben wir natürlich nachgefragt, was denn der Grund für diese Bitte sei. Da bekamen wir eine der Antworten, die ich nun nicht unkommentiert lassen möchte:

… ich habe bei einer Bewerbung u.a. diesen Beitrag ausgedruckt vorgelegt bekommen. Da man mir aufgrund des Threadinhaltes den Job als Webentwickler mangels Fachwissen nicht zugetraut hat, wurde ich abgewiesen.

So etwas verursacht — nicht nur beim Bewerber — Stirnrunzeln mit vielen Fragezeichen und erhöhten Blutdruck. Über die „gewöhnlichen“ Praktiken von Arbeitgebern und Personalbeauftragten, wie das Versprechen einer Antwort beim bzw. nach dem Bewerbungsgespräch, das nicht eingehalten wird, etc., möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen.
Aber bei solchen Vorkommnissen wie eben geschildert, fragt man sich: „Was wollten die Menschen, mit denen der Bewerber dieses Gespräch geführt hat, mit der Vorlage des Ausdrucks eines Forenbeitrags aus dem Jahre des Heils 2004 (!) bewirken? Was wollten diese Menschen über den Bewerber herausfinden?“

Dann erhebt sich natürlich auch noch die brennend interessante Frage, wie diese Menschen nur auf Grund einer solchen, wirklich steinalten Äußerung überhaupt darauf kommen können, dass der Bewerber das Fachwissen nicht habe, das für den Job benötigt wird?

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie qualifiziert denn der Mensch, der dieses Gespräch seitens des Arbeitgebers geführt hat, für seinen Job war. Wie qualifiziert kann ein „Personalmanager“ sein, der davon ausgeht, dass sich Menschen (und wohl auch die eigenen Mitarbeiter) nicht weiterentwickeln? Wie qualifiziert kann ein „Personalmanager“ sein, der keine Perspektiven sieht und auch nicht nach solchen fragt?

Die letze Frage, die einem dann noch einfällt ist wohl, wie groß der Schaden für einen Arbeitgeber sein muss, dessen Personalbeauftragter nicht über die Fähigkeit verfügt, Entwicklungen zu erkennen, auch nicht danach fragt und auf diese Weise geeignete Mitarbeiter von der Firma fernhält?

Natürlich mögen jetzt einige entgegnen: „Es gibt so wenig Arbeit und so viele Bewerber, der PM-Mensch wird schon wissen, warum er den Bewerber nicht genommen hat“. Nun, da muss ich Gegenfragen stellen: Woher denn könnte so ein „PM-Mensch“ etwas wissen? Aus einem Beitrag aus dem Jahr 2004 bestimmt nicht. Und wäre es dann nicht seine Aufgabe gewesen, den Kandidaten zu fragen, wie er sich seit damals entwickelt hat? Ob er sich im Thema „X“ vertieft oder seinen Schwerpunkt auf andere Themen verlegt hat? Ob er Projekte vorstellen kann, in denen er seine Kentnisse im Thema „X“ eingesetzt hat?

Was mache ich, wenn „sie“ mich finden???

All die Fragen, die man sich über die Qualifikation von Personalmanagern stellen kann, helfen aber nicht, wenn man während des Bewerbungsgesprächs z.B. mit alten Beiträgen aus unserem Forumsarchiv konfrontiert wird. Da hat man nur die eine Frage im Kopf: „Was mache ich jetzt?“. Die kurze Antwort: lachen.

Klingt merkwürdig? Ist es aber keineswegs. Man sollte einfach dazu stehen — und angesichts eines Ausdrucks ist es auch nicht so einfach zu erklären, dass der Fragende mit demselben (möglicherweise seltenen) Namen doch jemand anderer ist. Man kann also ruhig lachen und ebenso ruhig erklären, dass man damals in der Tat noch solche Anfänger-Fragen hatte. Man kann dann auch erklären, wie man sich weiterentwickelt hat, Projekte schildern, in denen man gerade in dem fraglichen Bereich brilliert hat. Sofern man sich regelmäßiger im Forum beteiligt, wird die eigene Entwicklung, ggf. auch das kompetente Antworten zu späteren Zeiten, ja im Archiv dokumentiert und wäre ebenfalls abrufbar.

Was bei Bewerbungen hilft: Generell sollte man heutzutage darauf vorbereitet sein, dass der zukünftige Arbeitgeber schon vor dem ersten Gespräch nach dem Namen des Bewerbers in Google gesucht hat. Das sollte man selbst auch tun [1] und sich schon so die Antworten auf die möglichen Fragen überlegen.
Was nicht hilft: Wenn man bei Treffern aus unserem Forumsarchiv uns anschreibt und um schnelles Löschen von zig Dutzend Beiträgen bittet. Erstens wäre dies nur manuell und unter hohem Aufwand möglich (das Archiv des SELFHTML-Forums ist schlichtweg nicht dafür konzipiert worden, dass man nachträglich dort etwas ändert). Und zweitens: eine Löschung oder Anonymisierung bei uns bedeutet nicht, dass Google und andere Suchmaschinen die Änderungen sofort übernehmen. So etwas kann auch einige Wochen dauern. Wie würde es wirken, wenn ein Archivbeitrag in Google (und im Cache von Google) mit voller Namensnennung gefunden wird, in unserem Archiv aber anonymisiert oder gar gelöscht ist?

Einige Links zum Thema

Persönliche Infos im Netz (WirtschaftsWoche)
Die dunkle Seite des Web 2.0 (Tagesschau)
[1] Ego-Googlen nennt sich das auch. Dazu und als Entspannung eine witzige Geschichte: Ich google Ninas Neuen

12 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. @lukas,

    Änderungen am Forumsarchiv sind aufgrund der gegenwärtigen technischen Struktur aufwändig und zeitraubend. Seit längerem müssen Forumsteilnehmer ihr Einverständnis geben, dass ihre Einträge öffentlich und unveränderlich archiviert werden (das ist obligatorisch seit dem 11.04.2006). Das war nötig, weil uns die andauernden Bitten, das Archiv zu »schönen«, zuviel Zeit geraubt hatten.

    Wenn jemand nur eine harmlose Fachfrage im Forum gestellt hat und nun fürchtet, ein Personalchef könne dies als Zeichen von ultimativer Inkompetenz werten, dann investieren wir in der Regel keine Zeit, um im Archiv herumzueditieren — schon gar nicht, wenn beim Schreiben des Beitrags das besagte Einverständnis gegeben wurde.

    Andererseits sind wir keine Prinzipienreiter und wir haben genausowenig Lust, mit jedem, der Änderungen am Archiv wünscht, lange zu diskutieren und unsere Position darzulegen (die »Energie des Verstehens«, SELFHTML steht für autodidaktisches Lernen, das Forum ist zum Austausch äußerst wichtig und niemand sollte sich dafür schämen usw. usf.). Daher ist es neben der Dringlichkeit auch eine Zeit- und Aufwandsfrage, ob und wann wir Lösch- und Editierwünsche bearbeiten.

  2. Nur aus Interesse: Kommt Ihr den Wünschen denn in der Regel nach, wenn jemand euch z.B. darum bittet, einen Nachnamen aus dem Forumsarchiv zu entfernen? Oder muss dafür schon ein sehr dringender Fall vorliegen?

  3. Vielleicht ein generelles Problem, was meines Erachtens eher dem Usenet/Newsnet zukommt als dem „Web 2.0“. Denn während es damals ein ungeschriebenes Gesetz war, unter seinem „Real Name“ zu posten (was durchaus unproblematisch war, denn das konnte ja damals noch nicht so homogen durchsucht werden), ist es das doch heute im vergleichsweise viel heterogeneren „Web 2.0“ durchaus nicht mehr. Mein Gott wär das peinlich, müsste ich meine pubertären Auswüchse, die ich im SELFFORUM in hitzigen Threads verbrochen hatte, in der Zukunft vor meinem zukünftigen Arbeitgeber verantworten 😉

    Anonymität beweist sich also wieder mal als wohltuenden Schleier. Zwar war ich oft davor, unter meiner RL-Identität zu schreiben, doch hab ich dies glücklicherweise nie getan (Gott sei dank), und so findet sich unter meinem Namen nichts, und das ist auch gut so.

    Nur mal so als alternativer Anreiz für die Diskussion 😉

  4. Die eigentlich offene Frage ist doch weshalb er denn überhaupt noch eingeladen wurde, wenn er sich denn 2004 schon disqualifiziert hatte? Vielleicht ging es ja vielmehr darum, wie der Kandidat sich während der Konfrontation mit dem fraglichen Forumsbeitrag verhält…

  5. Nun, was man so als Webdesigner oder als jemand der was drauf hat in diesem Gebiet machen kann, das ist sich den obersten Platz bei den Ergebnissen sichern. Mit einer Seite, Wo man nochmal zur Schau stellen kann was man schon so gemacht hat. Diese kann man in dem Bewerbungsschreiben auch mitgeben.
    Wer ganz keck ist richtet sich ein Bereich für Arbeitgeber ein, in dem nochmal Suchergbnisse dementiert werden und direkt potenzielle Arbeitgeber angesprochen werden.

  6. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, _auch_ die ergoogleten Suchergebnisse zu nutzen. Es spricht aber sehr viel dagegen, mehrere Jahre alte, in irgendwelchen Archiven noch vorhandene „Ergüsse“ des Kandidaten zur Beurteilung des aktuell vorhandenen Fachwissens zu benutzen. Wer solches tut, ist inkompetent und gehört irgendwohin abgeschoben, wo er keinen Schaden mehr anrichten kann. Oder etwa nicht?

  7. Stonie tat kund: (heutzutage: Human Resource Manager) nicht das Fachwissen hat, die vorliegenden Unterlagen auf ihre Richtigkeit und Authentizität zu überprüfen und auf Google (!) zurückgreifen muss, um sich eine Meinung über den Bewerber zu bilden, dann hat er meiner Überzeugung nach den Job verfehlt.“

    Hmhh, was spricht denn dagegen, sich bereits vorher ein Bild über einen Bewerber zu machen und dabei alle Möglichkeiten zu nutzen? Google ist nun halt eine allwissende Müllhalde und wenn ich durch Recherchen bereits vorher einen „Stinkstiefel“ aussortieren kann, warum nicht?[1] Als in der Vor-Suchmaschinen-Zeit auf ein Stellenangebot 300 Bewerbungen eingingen wurde auch nach irgendwelchen dubiosen und nicht einsehbaren Kriterien vorselektiert und sei es nur die Position der Briefmarke auf dem Kuvert.(z.B. verkehrt herum).

    [1] nur gut, dass ich mich nie wieder für einen Festjob bewerben werde. 🙂

  8. Grundsätzlich kommt es ja darauf an, was ein potentieller Arbeitgeber mit dem ausgedruckten Beitrag anfängt. Man kann ihn dem Kandidaten durchaus vorlegen, aber mehr oder weniger im selben Atemzug die Kompetenz des Menschen so sehr in Zweifel zu ziehen, dass man ihm trotz nachweislicher mehrjähriger Weiterentwicklung den Job nicht zutraut — das geht dann doch zu weit. Fragen stellen, ok. Überprüfen, ob eine Weiterentwicklung stattgefunden hat, ok. Letzteres aber nur dann, wenn keine entsprechenden Unterlagen (Zeugnisse, Referenzen) vorliegen.

    Wenn ein Personalmensch (heutzutage: Human Resource Manager) nicht das Fachwissen hat, die vorliegenden Unterlagen auf ihre Richtigkeit und Authentizität zu überprüfen und auf Google (!) zurückgreifen muss, um sich eine Meinung über den Bewerber zu bilden, dann hat er meiner Überzeugung nach den Job verfehlt.

    Bedauerlicherweise haben wir aber in unserem schönen Lande reichlich „Manager“ die nun vieles können, aber managen — das nun wirklich nicht. Dafür wissen sie, wie man seine Pfründe sichert. Wenn es mir jemals passieren sollte, dass ich einen Job nicht bekomme, weil dem Personalmenschen nicht gefällt, was er bei Google über mich fand, dann werde ich dem Job vermutlich keine Träne hinterherweinen, denn ich kann mir sicher sein, dass ich es mit einem absolut unfähigen Personaler zu tun habe. Und was für Typen der einstellt, kann ich mir ja an fünf Fingern einer Hand ausrechnen. Will ich mit solchen Leuten zusammenarbeiten? Ach nee, nun wirklich nicht…

  9. na dann hoffe ich mal das ein evtl. neuer pm meinen namen nie eingeben wird, denn ich glaube dann ist er völlig verwirrt *g*

  10. Ich halt’s mit meinen Informationen so dass ich zuviel mache und davon ausgehen dass kein normaler Mensch noch was mit dieser Informationsflut noch was anfangen kann. Allein meine Beiträge bei Wikipedia durchzuarbeiten dürfte jeden überfordern 🙂

    Aber ansonsten heißt’s aufpassen, aufpassen und aufpassen.

  11. Schon richtig, nur ist »Experte« kein Status, den man einmal erreicht und der für immer bleibt. Ein Bewerber mag 2002 für damalige Verhältnisse fundierte Beiträge geschrieben haben, dass er im Jahr 2007 noch auf der Höhe der Zeit ist, ist damit nicht gesagt. Was ein Bewerber 2002 geschrieben hat, ist für die Frage wie gesagt wenig aussagekräftig. Habe ich im Jahr 2002 im Forum unfreundlich aufgeführt? Ja, sicher! Das weiß ich sogar besser als jeder Arbeitgeber es durch Googlen erfahren könnte. Ich hoffe doch, meine Kommunikationsfähigkeiten innerhalb von fünf Jahren verbessert zu haben. Was nützte es einem Arbeitgeber, mir als Bewerber Fehler vorzuhalten, die ich eingesehen habe? Da sollte er schon wunde Punkte finden, um die Bewerber aus der Reserve zu locken und ihnen ernsthaft auf den Zahn fühlen zu können. Dazu ist oberflächliches Ego-Googlen ungeeignet.

  12. Ein Kommentar aus dem Jahre 2004 kann sehr wohl interessieren, z.B. wenn der Bewerber im Anschreiben oder Lebenslauf behauptet, er sei bereits seit dem Jahre 2002 Experte in irgendetwas. Wenn dann der Kommentar das Gegenteil beweist… Außerdem geht es ja gar nicht nur um fachliches: wer sich vor drei Jahren unfreundlich aufgeführt hat, wird es wohl auch heute noch tun.