Der Robert erklärt 404 – Eine Rezension

Holländisches Roulette
Er blieb stehen, lehnte sich an einen Hydranten, zog sein Notebook aus dem Rucksack und balancierte es auf einem angewinkelten Bein.
»Ah, verdammt«, murmelte Robert entsetzt, »ich komm nicht mehr an die Überwachungskamera. Da bekomme ich nur einen 404. Und das, obwohl die HTTP-Authentication anstandslos klappt.«
»Du sprichst in Rätseln« – »Oh, entschuldige. – Ich erhalte eine Fehlermeldung, die besagt, dass die Kamera nicht online ist, obwohl das Programm formal korrekt auf die Anfrage reagiert. Und eine HTTP-Authentication ist sowas wie ein Login, nur dass die Fachleute da noch Unterschiede machen. Etwas anschaulicher habe ich es mal im Forum von SELFHTML erklärt. Und auch einmal, warum ich es nicht gut finde, im Falle eines 404-Fehlers ohne einen weiteren Hinweis auf die Startseite des Webangebots weitergeleitet zu werden.«
Robert musste schmunzeln: Einige seiner Beiträge hatten es sogar in die Zitatesammlung geschafft. Wann die wohl wieder direkt aus dem neuen Forum heraus erreichbar sein würde?


Diese Passage könnte dem Roman „Holländisches Roulette“ entnommen sein, ein kurzweiliges Werk, das kriminelle Machenschaften im Drogen- und Rotlichtmilieu zur Grundlage hat. Diese Machenschaften selbst stehen dabei aber nicht im Vordergrund, sondern die Bemühungen eines Firmeninhabers mithilfe undurchsichtiger Transaktionen ebendiese zu verschleiern, was sich als recht geschickt durchgeführte Geldwäsche herausstellt. Die Assistentin der Geschäftsleitung, Buchhalterin und Protagonistin stellt Zahlungseingänge fest, für die erst im Nachhinein Rechnungen ausgestellt werden. Der zweite Hauptdarsteller ist Angestellter einer Unternehmensberatung, der das IT-System auf Schwachstellen abklopfen soll. Dessen Chef hat den Eindruck, dass auch die vereinbarte IT-Bewertung lediglich als weiterer „Beweis“ für die Korrektheit der Betriebsabläufe fungieren soll.
Weil Robert und Sonja, so die Namen der beiden Hauptfiguren, kein großes Vertrauen in die Arbeit der Polizei haben und zudem der Meinung sind, das bisher Gefundene sei nicht ausreichend für eine Anzeige, beschließen sie, auf eigene Faust zu ermitteln und so nimmt das Unheil seinen Lauf …
Der Roman erweist sich als gelungene Mischung aus Krimi, Romanze und Technik-Spielerei. Quasi nebenbei lernt man Aspekte der Arbeit eines Administrators und IT-Technikers kennen. Dinge, von denen Sonja überhaupt keine Ahnung hat, sind Roberts täglich Brot. Und so fallen Begriffe wie IP-Adresse, mail-header oder Partition. Der Autor versäumt es nicht, Robert das Fachchinesisch auch erklären zu lassen, sodass durch das Lesen durchaus auch ein Wissenszuwachs denkbar wäre. Roberts Erklärungen sind diesbezüglich korrekt, denn der Urheber ist im Hauptberuf „vom Fach“. Wenn Sie weiter oben den Links gefolgt sind, wissen Sie es sicher schon: Es handelt sich um den Martin, der im Forum mit dem Nick „Der Martin“ unterwegs ist. Bei unzähligen Problemstellungen konnte er helfend zur Seite stehen. Genau wie er besitzt seine Romanfigur die Gabe, auch komplexe Probleme für Laien verständlich zu erklären.
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