Noch mal Bücher: die Bücher zu SELFHTML

1996, etwa ein Jahr nach der ersten Version von SELFHTML, erschien im Franzis Verlag erstmals ein Buch, das auf dem Text von SELFHTML basierte. Es hatte noch bescheidene 300 Seiten und enthielt die komplette Doku. Das hat sich längst geändert. Die aktuelle Version 8.1.1 kommt umgerechnet auf über 2000 Buchseiten, eine Masse, die selbst mit biblischem Dünndruckpapier kaum noch zwischen zwei Buchdeckel passen würde.

Der Verlag steht deshalb seit geraumer Zeit vor dem Problem, wie er die Buchversion von SELFHTML realisiert. Die letzte vollständige Buchumsetzung war ein Werk aus zwei Bänden, die beide zusammen stolze 99 Euro kosteten – für die meisten potentiellen Käufer jenseits der Schmerzgrenze. Was sich stattdessen besser vertreiben ließ, war die Studienausgabe in einem Paperback-Band für derzeit 30 Euro, aber "nur" mit 1300 Seiten, sprich ohne XML, ohne Webserver/CGI, ohne Perl und ohne diverse andere Inhalte.

Neue Signale vom Verlag

Jetzt hat Franzis signalisiert, dass man die Buchumsetzung von SELFHTML in Zukunft mit mehr Elan und Ideen angehen werde. Zunächst sollen die restlichen Exemplare der Studienausgabe des HTML Handbuchs unter die Leute gebracht werden. Das kann freilich noch gut ein bis eineinhalb Jahre dauern, weil eine ganze Menge gedruckt wurden. Die Zwischenzeit soll genutzt werden, um ein neues Buchkonzept zu entwickeln. Dabei soll auch endlich mal das Konzept "SELFHTML als Buch" konsequent umgesetzt werden: die bisherige Cover-Gestaltung soll aufgebrochen, und das Corporate Design von SELFHTML soll unübersehbar auf dem Buch wiedererkennbar sein.

Anstelle eines ziemlich fetten Einzelbandes, der aber nur einen Teil der Doku abdeckt, soll eine "SELFHTML Bibliothek" aufgezogen werden. Diese soll aus einem Basisband bestehen, der sich auf HTML/CSS und Einführendes beschränkt. Alle weiteren Technologien und Thematiken sollen in handlichen Einzelbänden erscheinen, die in der Regel so zwischen 300 und 800 Seiten haben, also etwa Bände zum JS/DOM-Komplex, zum XML/XSL(T)/XPath-Komplex, zum Webserver-Administrations-/CGI-Komplex, zum geplanten PHP/DBMS-Komplex usw. Auch ein Reader mit gesammelten, für die Buchform evtl. noch anzupassenden Feature-Artikeln und Tipps und Tricks ist im Gespräch. Alle Bände sollen auch als Gesamtausgabe erhältlich sein – in einem ordentlichen Schuber, so wie man es von Kant und Hegel kennt 😉

Ein wichtiges Thema bei der Buchumsetzung ist weiterhin die Textgleichheit mit den Online-Texten. Da SELFHTML 9.0 auf Basis einer von Developer-Mitglied Thomas J. Sebestyen entwickelten XML-Sprache entstehen soll, bietet sich an, die Bücher aus den XML-Sourcen via XSLT zu generieren – Zielformate könnten z.B. TeX, MIF oder ODT sein. Zweifellos eine Herausforderung sowohl an die SELFHTML-Developer als auch an den Verlag, mit der Aussicht auf interessante Erfahrungen.

Last but not least soll auch das Honorarmodell umgestellt werden: die Redaktionsmitglieder sollen künftig einzeln und direkt am Autorenhonorar beteiligt werden. Die prozentuale Verteilung der Anteile kann das Redaktions-Team selbst bestimmen.

Viel zu klären also. Geplant ist deshalb ein Real-Life-Treffen mit den Redaktionsmitgliedern und dem zuständigen Lektor von Franzis, voraussichtlich im kommenden Frühjahr. Das Treffen soll Redaktionsteam und Verlag einander näher bringen und den Redaktionsmitgliedern Gelegenheit bieten, Vorschläge und Details für die Buchumsetzung mit dem Verlag direkt zu besprechen. Eine Zusammenarbeit, von der die Leser der künftigen SELFHTML-Bücher hoffentlich profitieren werden.

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde die Idee nicht verkehrt im Sinne von eine Überlegung wert, ob es sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob im technischen Bereich Loseblattsammlungen vom Anwender überhaupt angenommen werden.

    Ich bezweifle allerdings, dass SELFHTML für diese Form der Veröffentlichung geeignet ist, da die Änderungen von Version zu Version relativ umfangreich sind.

    Eine solche Sammlung würde m.E. den Aufwand verringern. Ihr könnt selber entscheiden, wann und in welchem Umfang eine Ergänzungslieferung sinnvoll ist. Man könnte so z.B. die Abstände zwischen den einzelnen "Versionen" kurz halten (denkt mal daran, wie lange 8.1.1 gedauert hat), Dreckfuhler oder inhaltliche Kleinigkeiten schneller korrigieren, kurz: Man wäre schneller in der Anpassung. Natürlich ist man den Nutzern gegenüber dergestalt verpflichtet, dass man nicht jeden Buchstabendreher zu einer eigenen Ergänzungslieferung macht. Ich denke, man sollte das mit Leuten vom Fach, also aus dem Verlagswesen, besprechen. Letztlich sind diese die Profis und können am Besten Nutzen und Risiken abwägen.

  2. Der Vorschlag einer Loseblattsammlung war nicht unbedingt ernst gemeint. Bestünde daran denn tatsächlich Interesse? Wenn das der Fall sein sollte, würden wir das beim Treffen mit dem Verlag ansprechen.

    Ich bezweifle allerdings, dass SELFHTML für diese Form der Veröffentlichung geeignet ist, da die Änderungen von Version zu Version relativ umfangreich sind. Man müsste dutzende Seiten ersetzen. Der Abschnitt »Neu in Version 8.1.1« zeigt bei weitem nicht alle Korrekturen und Ergänzungen auf.

  3. Eine selfHTML-Bibliothek !!! in einem physischen Zustand !!! Wer hätte das jemals gedacht ?

    Eine Umsetzung von XML in eine seitenabhängiges druckbares Format, wäre aber auch mit XSL:FO wunderbar zu machen!

    Viele Grüße

  4. Hallo!

    1. Kleiner Verbesserungsvorschlag: Wenn Ihr über die SELFHTML-Bücher berichtet, nennt doch bitte immer kurz die Titeldaten inkl. ISBN am Ende des Eintrages. Oder verlinkt auf die entsprechende Verlagsseite.

    2. Loseblattsammlungen: Eigentlich keine schlechte Idee, aber wenn man viele Loseblattsammlungen abonniert hat (ich arbeite in einer Bibliothek), dann scheut man die so sehr. Nicht nur wegen des Einsortierfaufwandes, sondern weil die Verlag wohl nicht der Versuchung widerstehen können, die – meist nach Seitenzahl berechneten – Ergänzungslieferungen künstlich aufzublähen.

    Viele Grüße,
    Papakiesel

  5. Ich greife mal die kurze Diskussion aus Jeenas Weblog auf. Ich finde die Idee mit einer Loseblattsammlung nämlich gar nicht so abwegig. Wer bspw. die Sammlung von Gesetzestexten aus dem Beck-Verlag kennt (z.B. den "Schönfelder" oder den "Sartorius") wird mir vielleicht Recht geben, dass so eine Loseblattsammlung eine geniale Erfindung ist. Fehler könnten durch einfaches Austauschen weniger Blätter korrigiert oder Ergänzungen durch Einfügen weniger Seiten in das Grundwerk aufgenommen werden.

    Nicht zuletzt wäre das auch eine Frage der Kosten, denn der Interessierte müsste sich nur einmal das Grundwerk kaufen und bekommt ein oder zweimal im Jahr eine Ergänzungslieferung, die von den Kosten her weit unter dem liegen dürfte, was ein korrigierter Einzelband kostet. Und wer das nicht will, der abonniert die Ergänzungslieferungen eben nicht.

    Ich meine, dass man darüber durchaus nachdenken sollte. Änderungen nachzuverfolgen und daraus Ergänzungslieferungen zusammenzustellen, sollte doch bei der angedachten Technologie nicht das Problem sein.

  6. Für Euer "Real-Life-Treffen" mit dem Franzis Verlag und andere Besprechungen und Treffen, die mit SELFHTML zusammenhängen, würde ich Euch gern dauerhaft und kostenlos einen meiner virtuellen HotConference-Räume im Internet (VoIP) für Sprach- und Videokomunikation zur Verfügung stellen. Den Raum könntet Ihr auch für Support, Redaktionsbesprechungen und sonstige mit SELFHTML zusammenhängende Treffen nutzen.

    […ausführliche Leistungsbeschreibung…]

    Edit: Mit „Real-Life-Treffen“ sind wirklich echte, an einem physikalischen Ort stattfindende, Treffen gemeint. Für virtuelle Treffen sind wir auch schon gut versorgt – oberstes Kriterium ist hierbei immer Plattformunabhängigkeit. Daher kürze ich diesen Kommentar mal so, dass er nicht mehr so sehr als Werbung rüberkommt, und lehne das Angebot ansonsten dankend ab. [Sven Rautenberg]

    Ich nutze seit Jahren SELFHTML, habe dadurch HTML und vieles andere im Internet kennengelernt und würde die Arbeit und Weiterentwicklung daran gerne unterstützen.

    Vielen Dank! Macht bitte so weiter!

    Horst-Dieter Schipporeit

  7. Felix, so neu ist die Idee mit dem speichern in XML nicht, immerhin gibt es ja wirklich extra für Dokumentationen schon das DocBook Format, welches an sich auch nur ein XML Derivat ist und auch extra auf Dokumentationen ausgerichtet. Ich denke der Grund sich gegen DocBook zu entscheiden liegt nur darin, dass man zu Spezielle Daten hat, die das DocBook Format nicht abdecken kann. Wobei man – da es ja XML ist – eigentlich einfach andere Namespaces mit reinbbauen könnte. Ob dies dann aber übersichtlicher und einfacher zu handhaben ist als ein SELFHTML XMS Derivat, kann man sicherlich diskutieren; was intern bestimmt auch gemacht wird/wurde.

  8. Also diese Buch-Idee war ja von Anfang an eine gute (eben als Ergänzung zur online-Version gedacht). Die Entscheidung zum Aufteilen der "Großkapitel" (wie z.B. Javascript, PHP (zukünftig?), XML (inkl. XSLT usw.), Perl usw.) in eigene Bände eines mehrteiligen "Gesamtwerkes" finde ich die einzig richtige Art und Weise mit der Fülle der Informationen umzugehen und dabei größtmögliche Benutzbarkeit zu wahren. Es sind ja mittels der XML-basierten Speicherung sicherlich (relativ) problemlos Querverweise zwischen den einzelnen Bänden möglich, oder?

    Die Idee, die "Gesamtdokumentation" mittels XML zu speichern, ist GROSSARTIG! Auf Eure diesbezüglich gemachten Erfahrungen wird die Webdeveloper-Szene sicherlich sehr gespannt sein. Ich denke, da seid Ihr sicherlich Vorreiter auf dem Gebiet der XML-als-Datenbank-Dateiformat-für-Dokumentationen… Das klingt für mich alles sehr spannend!

    Ein absolutes "Macht weiter so, Leute!" von mir!

    Liebe Grüße, Felix Riesterer.