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Bestürzt und Fassungslos – Matthias Apsel ist gestorben

Uns erreicht die Nachricht, dass unser Vorsitzender, Matthias Apsel, unerwartet und plötzlich verstorben ist. Wie uns seine Frau mitteilt, hat Matthias vor einigen Tagen eine plötzliche Hirnblutung erlitten. Trotz sofort eingeleiteter Maßnahmen konnte Matthias sein Bewusstsein nicht wiedererlangen. Gestern, am 9. März 2021, ist er verstorben – die Beatmung wurde nach Organspende eingestellt.

Matthias Apsel ist Teil der Geschichte von selfhtml – sein erster Beitrag im Forum, noch unangemeldet, ist von 2002, seit dem 3. Dezember 2009 schrieb er als registrierter Benutzer, zunächst mit Benutzernamen „apsel“, mit und seine Beiträge häuften sich. Es dauerte nur zwei Tage nach seiner Registrierung, bis ihm klar wurde, dass er seine Frames-Webseite grundlegend überarbeiten wollte – und ausgelöst durch diese Erkenntnis war Matthias dann Dauergast im Forum und professionalisierte seine Kenntnisse zur Webentwicklung und allem, was ihm das Self-Forum noch so bot, sehr schnell.

Aus dem Dauergast im Forum wurde schnell ein passionierter Selfer im Herzen. Sein Start bei selfhtml lag in unruhigen Zeiten - selfhtml-Gründer Stefan Münz war 2007 ausgetreten, als sich herauskristallisierte, dass das Wiki, welches die statische Dokumentation ablösen sollte, nicht überall auf große Gegenliebe stieß. Der unklare Status des Gesamtprojekts, von dem man nicht wusste, ob es den Sprung zum Wiki hin schaffen würde, welche Zukunft der Webauftritt, das Forum und der Verein eigentlich noch haben würde, prägte auch die Gespräche im Selfraum zu dieser Zeit – zwischen Vereinsvorstand und Mitgliederbasis war eine deutliche Kluft zu spüren.

Wie es seiner Art entsprach, war Matthias in diesen Querelen nie großspuriger Wortführer, sondern immer auf Ausgleich und Fairness bedacht, aber trotzdem stetiger Mitleser mit klarer Haltung und Prinzipien, die er auch immer wieder äußerte. Matthias ließ den Worten Taten folgen, trat in den Verein SELFHTML ein, und wurde in der Mitgliederversammlung 2012 zum Vorsitzenden des stark geschrumpften und innerlich zerrütteten Vereins gewählt.

Die Lage im Verein zu dieser Zeit lässt sich am einfachsten mit Matthias’ eigenen Worten beschreiben – zum Beispiel in denen, die er 2012 in seinem ersten Weihnachtsbrief als Vorsitzender fand. Es sollte nicht der einzige Weihnachtsbrief als Vorsitzender bleiben: Fast in jedem Jahr wandte sich Matthias in diesem Format an die vielen Mitleser und die wenigen Vereinsmitglieder.

Seine Weihnachtsbriefe erzählen von den vielen Umbrüchen, die er in seiner Zeit als Vorsitzender im Verein erlebt und begleitet hat. Von seinem Stellvertreter in der laufenden Amtsperiode im Stich gelassen, führte Matthias den Verein zwei Jahre lang nahezu alleine, während das totgesagte Wiki Gestalt an- und Fahrt aufnahm.

Bei der darauf folgenden Mitgliederversammlung 2014 in Nürnberg hatte ich die Ehre, Matthias zum ersten Mal persönlich kennenzulernen. Besonders beeindruckt haben mich seine Gelassenheit, mit der er den großen Schwierigkeiten des Vereins gegenüber stand, seine Zielstrebigkeit, wenn es darum ging, Lösungen für Probleme zu finden, und seine absolute Offenheit gegenüber den vielen teils extrem unterschiedlichen Personen und Charakteren, die sich im Selfraum die Klinke in die Hand geben.

Trotz dünner personeller Besetzung konnten wir seit 2014 die Richtung des Vereins festigen – die Mitgliederversammlung 2014 brachte Neubesetzungen und frischen Wind mit sich, und seither wurde Matthias in den Vorstandsaufgaben und auch im Vorantreiben des Wikis tatkräftig unterstützt. Es war die Initiative von Matthias Apsel, die dazu führte, dass der Verein sich 2015 endgültig entschloss, die beliebte, alte Dokumentation zu depublizieren und das bis dahin stark gewachsene Wiki zur neuen Dokumentation zu erklären.

In den folgenden Jahren war Matthias’ Arbeit im Vorstand vor allem durch den allgegenwärtigen Mitgliedermangel geprägt – es war allerdings nicht zuletzt auch seine sympathische und einnehmende Art, die mich persönlich, aber mit Sicherheit auch andere, in dieser Zeit an den Verein gebunden und beim Verein gehalten haben.

Bei Streitigkeiten zwischen Mitgliedern, die bei Kommunikation im Internet nie ausbleiben, nahm Matthias eine Beobachterrolle ein und versuchte stets, auszugleichen und zu schlichten. Dass die verschiedenen Charaktere, die den Verein und die Community ausmachen, sich nicht immer wieder an die Kehle gingen, war Matthias ein besonderes Anliegen – und es gelang ihm oft, Brücken zu bauen, wo sonst persönliche Differenzen dem Verein und dem Projekt geschadet hätten.

Auch und gerade der nicht-webspezifische Austausch mit Matthias, zum Beispiel im Rahmen etlicher Mathematik-Rätsel, die er im Rahmen des Forums regelmäßig stellte, wurde von vielen Mitgliedern und Miträtslern sehr geschätzt. Immer auf der Suche nach neuen Ideen war Matthias für den Verein bei Twitter aktiv und brachte auch an dieser Stelle seine große Offenheit und Weltgewandtheit mit ein. Er konnte den Lehrer mit Herzblut, der er war, nie verbergen – und er brachte seine beruflichen Fähigkeiten auch im Verein an jeder Stelle ein.

Aufgrund beruflicher Veränderungen kündigte Matthias 2017 an, dass er im Verein kürzer treten müsse – trotzdem blieb er uns auf unsere Bitte hin als Vorsitzender erhalten. Obwohl es ihm nicht leicht fiel, das Amt mit weniger zur Verfügung stehender Zeit führen zu können als er das gerne wollte, um seinem Anspruch gerecht zu werden, war er weiter für uns da, an einer Position, in der er mit seiner Persönlichkeit für uns schlicht unersetzbar schien – und so wurde er nach 2014 und 2016 auch 2018 und zuletzt 2020 einstimmig in seinem Amt wiedergewählt.

Obwohl Matthias beruflich stärker eingespannt war als zuvor, ließ er es sich nicht nehmen, den Verein weiter mitzugestalten, im Forum, im Wiki und im Blog aktiv beizutragen, und gerade in den letzten Jahren auch (Förder-)Mitglieder für den Verein zu werben oder Kooperationen mit befreundeten Organisationen zu koordinieren.

Das Jahr 2022 wäre Matthias’ zwanzigstes Jahr im Selfforum und sein zehntes Jahr als Vereinsvorsitzender geworden. Wir sind fassungslos und bestürzt darüber, dass es dazu nicht kommen kann, und wir sind traurig, denn wir haben mit Matthias nicht nur einen Vorsitzenden, sondern auch einen Freund und Mentor, einen Weggefährten und einen besonnenen Selfer verloren, der in unserer Mitte eine spürbare Lücke hinterlässt.

Unsere Gedanken sind bei Matthias’ Frau Ulrike und seinen Söhnen, die ihren Ehemann und Vater verloren haben, sowie den weiteren Angehörigen. Wir werden Matthias in guter Erinnerung behalten und diese in unseren Herzen tragen.

Janosch Albers-Zoller, im Namen des SELFHTML e.V.

Bilder mit Matthias Apsel

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veröffentlicht von Camping_RIDER

  1. Hallo Janosch,

    ich bin entsetzt! Matthias hat mich in seiner menschlichen Art und Kompetenz stets beeindruckt. Seine Begleitung hier im Forum wird mir fehlen.

    Herzlichen Dank für deinen umfangreichen und lesenswerten Nachruf.

    Gerne hätte ich Matthias einmal persönlich kennengelernt, hatte aber nie die Zeit, an einem Self-Treffen teilnehmen zu können.

    Ich hoffe sehr, dass es auch ohne ihn mit Selfhtml weitergeht.

    Mein aufrichtiges Beileid seiner Familie und allen, die ihn vermissen.

    Rolf 😢

    1. Mein aufrichtiges Beileid seiner Familie und allen, die ihn vermissen.

      Ja. Von mir auch.

    2. Hello,

      Mein aufrichtiges Beileid seiner Familie und allen, die ihn vermissen.

      Da schließe ich mich auch erstmal ziemlich still an.

      Es macht mich doch sehr nachdenklich. Matthias war noch nicht einmal so alt wie ich.

      Glück Auf
      Tom vom Berg

      --
      Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
      Das Leben selbst ist der Sinn.
      1. Hallo Tom,

        Mein aufrichtiges Beileid seiner Familie und allen, die ihn vermissen.

        Da schließe ich mich auch erstmal ziemlich still an.

        danke dafür, denn in Momenten der Trauer ist jede Gesellschaft willkommen, und sei sie auch nur virtuell.

        Es macht mich doch sehr nachdenklich. Matthias war noch nicht einmal so alt wie ich.

        Das Alter scheint überhaupt keine Rolle zu spielen. Vor etwa 3½ Jahren ist einer meiner besten Freunde ähnlich plötzlich und ohne jegliche Vorwarnungen gestorben. Einfach so in der Nacht. Er hatte gerade so seinen 40. Geburtstag erlebt.

        Unfälle, Krankheiten oder verrückte Wirren des Schicksals fragen nicht nach dem Alter.

        In stiller Betroffenheit
         Martin

        --
        Lieber Matthias, du hast so viel geleistet, im Kleinen und im Großen,
        womit du für uns immer präsent sein wirst.
      2. Lieber Tom,

        Da schließe ich mich auch erstmal ziemlich still an.

        schön, dass Du dabei bist, denn die Gemeinsamkeit tut einfach gut.

        Es macht mich doch sehr nachdenklich. Matthias war noch nicht einmal so alt wie ich.

        Schon lange habe ich mich dagegen entschieden solche Gedanken zu denken. Sie führen zu nichts, zumindest nicht zu etwas, das mich wirklich voran bringt. Es gibt nur eine Richtung: vorwärts. Und so lange wir gehen, gehen wir vorwärts. Und gemeinsam geht es sich leichter.

        Als Musiklehrer unterrichte ich unter Anderem auch die Epoche der Barockzeit. Damals gab es verschiedene Mottos, darunter memento mori und carpe diem. Daraus bleibt für mich ein steter Auftrag, die mir (oder uns) geschenkte Zeit zu nutzen. Was immer wir auch damit tun, sie ist uns geschenkt und wir dürfen das Geschenk annehmen. Ohne Schuldgefühle oder Angst.

        Matthias' Tod tut uns weh. Aber wir erkennen sein Wirken an und verstehen, dass wir die Chance haben, seine Arbeit bei selfhtml fortzuführen und so in Ehren zu halten.

        Liebe Grüße

        Felix Riesterer

      3. Hallo Tom,

        Matthias war noch nicht einmal so alt wie ich.

        ich weiß noch nicht einmal, wie alt er war. Darf man das bekanntgeben?

        Rolf

        --
        sumpsi - posui - obstruxi
  2. Ich bin erschüttert.

    Manchmal sagt man, dass wenn man irgendwann sterben sollte, das doch bitte sehr schnell vonstatten gehen soll. Was das aber mit dem persönlichen Umfeld macht, wird häufig übersehen. Sich nicht auf den Tod eines einem sehr nahe stehenden Menschen vorbereiten zu können, erhöht das Leid noch weiter. Und es nimmt einem zwar nicht die Möglichkeit, noch noch die richtigen Worte zu finden – dafür vielen Dank, Janosch –, aber sie erreichen eben nicht mehr den Menschen, dem man damit seine enorme Wertschätzung ausdrücken will. Auch ich hätte Matthias noch einmal sagen wollen, was er für uns und für mich bedeutet. Jetzt ist es zu spät. Es bleibt nur die Erinnerung an einen großartigen Menschen. Wer ihn nicht hat kennenlernen dürfen, hat wirklich etwas verpasst.

  3. Oh nein 😟

    Mein ganz herzliches Beileid.

    1. Hallo,

      Oh nein 😟

      Mein ganz herzliches Beileid.

      Von mir auch!

      Gruß
      Kalk

    2. Hallo

      Mein ganz herzliches Beileid.

      Dem möchte ich mich uneingeschränkt anschließen.

      Vor nicht einmal fünf Tagen, am Abend des 7. März 2021, schrieb er seinen letzten Beitrag. Es war keine Abhandlung, kein Vermächtnis, nichts weltbewegendes sondern eine geradezu banale, kleine Anmerkung, quasi ein „Huch!“ 😀. Zwei Tage später am 9. März war er tot. Einfach so, unvermittelt aus dem Leben gerissen. 😟

      Tschö, Auge

      --
      Ein echtes Alchimistenlabor musste voll mit Glasgefäßen sein, die so aussahen, als wären sie beim öffentlichen Schluckaufwettbewerb der Glasbläsergilde entstanden.
      Hohle Köpfe von Terry Pratchett
  4. Das ist eine bittere Nachricht. Matthias hat mich 2014 in den Verein geholt, und in Nürnberg hat er mich im Zuge des Rahmenprogramms der Mitgliederversammlung ins Museum eingeladen. Damals war ich noch Student und konnte mir den Eintritt nicht leisten. Irgendwann wollte ich mich dafür bei ihm revanchieren - dafür ist es jetzt leider zu spät. Danke Matthias und ruhe in Frieden.

  5. Herzliche Beileid auch von mir, an alle die ihn kannten und vermissen.

    1. Herzliches Beileid auch von mir als Neuling, all denen die Ihn kannten.Ein Mensch mit bewundernswerten Eigenschaften, eine Einstellung die ich bewundere das Matthias selbst im Sterben noch hilft in Form der Organspende, es zeig doch ware grösse.

    2. Dieser Beitrag wurde gelöscht: Beitrag ist Spam.
  6. Mein Beileid

  7. Auch ich bin bestürzt über das Schicksal von Matthias.
    Ich kannte ihn nicht persönlich, hatte aber öfter Teil an seiner Freude am Tüfteln über Mathematikaufgaben...
    Seiner Familie und seinen Freunden mein herzliches Beileid.

    ottogal

  8. Hallo alle zusammen,

    das ist eine traurige Nachricht. Matthias’ klare und besonnene Art wird SELFHTML fehlen. SELFHTML hat ihm viel zu verdanken.

    Gruß
    Julius,
    der nie dazu gekommen ist, zu fragen, was 1/z eigentlich ist

    1. Hallo

      der nie dazu gekommen ist, zu fragen, was 1/z eigentlich ist

      bei mir hat es auch etwas gedauert. So wie 1/4 ein Viertel ist, ist 1/z ein Zettel.

      Gruß
      Jürgen

  9. Hallo.

    Ich habe eure Seite gefunden als ich nach dem Wirken von Matthias gesucht habe. Ich bin eine Kollegin von ihm. Bis zum 5.3.21 nachmittags haben wir zusammen gearbeitet. Er verabschiedete sich ins Wochenende und wünschte mir auch ein wunderschönes Wochenende. Das ist das Letzte, was mir bleibt von ihm. Montag erfuhr ich dann vom schrecklichen Vorfall. Dienstag, 9.3.21 ist er dann verstorben. Unser komplettes Team traf es unvermittelt. Von heute auf morgen haben wir einen unserer besten Kollegen verloren. Ein sehr empathischer, hilfsbereiter und engagierter Kollege. Ein Kumpeltyp, der immer ein offenes Ohr und guten Ratschlag hatte. Insbesondere bei PC-Problemen. Matthias bleibt unvergessen als ein fröhlicher Mensch, den nichts so schnell erschüttern konnte. Schlechte Laune kannte man bei ihm nicht. Viel zu früh ist er von uns gegangen.

    Wir werden ihn stets in unseren Erinnerungen bewahren. Wir sind dankbar, ihn kennengelernt zu haben.

    Ich wünsche der Familie viel Kraft.

    In tiefer Anteilnahme FranziV

  10. Das ist sehr traurig. So ein sympathischer, liebevoller und interessanter Mensch.

    Ich lese schon Ewigkeiten im SELF-Forum mit und Matthias Aspel gehört natürlich zu den Benutzern von welchen man häufig sehr interessante Beiträge gelesen hat.

    Er sieht so aus, als wäre er gerade mal in der Mitte seines Lebens gewesen und aus dieser nun so unerwartet herausgerissen. Ganz besonders wünsche ich der Familie Kraft in dieser schweren Zeit.

    Nun habe ich geguckt, was das letzte war, wo er mir geantwortet hatte und fand das hier.

    Oh, das tut mir leid. Allerdings: Wenn man schon beim Bewerbungsgespräch feststellt, dass der Chef dümmer ist als man selbst, ist es vielleicht ganz gut so, wie es gekommen ist.

    Dies zu lesen hat mir damals gut getan.

    Lieber Matthias, du bist von dem Drama unseres Menschseins nun befreit und ich bedanke mich dafür, dass du da warst und so spannende Beiträge geschrieben hast. Wie wunderbar diese neue Reise sein mag.

    Danke,

    Robert Repp